24.10.2017 Tim Ackermann

Minimale Messies

Konzeptkunst von Efrat Natan und Nahum Tevet aus Israel in der Villa Stuck in München

Bei „Swing of the Scythe“ (2001) ist Sense mit dem Minimalismus: Zwölf der Erntewerkzeuge, wie sie die Schnitter aus Efrat Natans Kibbuz in den Fünfzigerjahren verwendeten, hat die Künstlerin in einem Halbkreis ineinander gelehnt, sodass ihre langen Stiele die Form einer Halbkugel bilden. Es ist diese abstrakte Struktur, die das Auge primär wahrnimmt, der filigrane Tanz des schwarzen Metalls. Erst allmählich stellt sich ein Unruhegefühl ein, bedingt durch das Bewusstsein um die Schärfe der Klingen.  

Natans Sensenskulptur, die dem Israel Museum in Jerusalem gehört, ist ab Ende Oktober in der Villa Stuck zu sehen. Die Doppelschau „Efrat Natan / Nahum Tevet“ bietet die Chance, zwei herausragenden Protagonisten der israelischen Konzeptkunst zu begegnen, die hierzulande jedoch unbekannt sind. Nahum Tevet wurde 1946 geboren, Efrat Natan ein Jahr später, beide kurz nach dem Holocaust also, zu einem Zeitpunkt, als der Staat Israel noch nicht offiziell gegründet war. Beide haben Kindheitserlebnisse in Kibbuzim, die sie später in ihre Kunst einfließen ließen. Während Natan erkennbare Alltagsgegenstände wie Werkzeuge oder weiße Unterhemden in Gemälden und Skulpturen verarbeitet, hinterfragt Tevet das im Kibbuz verbreitete Funktionalismus-Dogma: Der Künstler aus Tel Aviv arbeitet mit billigen, genügsamen Materialien wie Sperrholz, Bindfaden und Klebeband. Oft baut er möbel­ähnliche und dennoch vollkommen unpraktische Skulpturen, die er in unüberschaubaren Konstellationen aufstellt. Unmöglich, aus diesen Arrangements eindeutige Antworten abzuleiten. Allein das macht Tevets Kunst politisch. 

Nahum Tevet:
Nahum Tevet: "Seven Walks" (1997–2004) (Abb.: Collection of the Artist)

Service

Ausstellung

„Efrat Natan / Naham Teret“
Museum Villa Stuck
26. Oktober bis 28. Januar