13.09.2017 Christiane Meixner

Neues aus der Hauptstadt

Museen und Messen füllen die Berlin Art Week mit Leben

Es war ein weiter Weg bis zur Art Berlin. Seit 2008 hat man mit einem Format experimentiert, das keine Messe sein, aber doch verkaufen wollte. Die Art Berlin Contemporary glich mehr einer kuratierten Ausstellung. Auch jetzt lässt abc-Direktorin Maike Cruse nichts auf die Idee dieser kojenfreien Alternative kommen. Dennoch musste sie in Gesprächen feststellen, dass „Sammler und Galerien in Berlin eine traditionelle Messe“ wollen. Die Art Berlin nimmt diesen Wunsch nun auf – und ändert die Verhältnisse während der Berlin Art Week auf einen Schlag.

Art Berlin

Über 100 Galerien aus 16 Ländern – und damit fast doppelt so viele wie 2016 – versammeln sich diesmal in der Station am Gleisdreieck. Ihr Angebot beschränkt sich nicht nur auf neueste Kunst. Teilnehmer wie Samuelis Baumgarte, Dierking aus Zürich, Georg Nothelfer oder die Münchner Jahn und Jahn bringen Werke des Informel, aus futuristischen Zero-Zeiten oder Konzeptmalerei à la Imi Knoebel mit. Die Moderne hält Einzug in die Kojen, gleichzeitig fällt die Beschränkung auf eine einzige künstlerische Position je Koje auf. Jeder zeigt nun, was ihm wichtig ist. Dennoch halten laut Cruse einige Galeristen an den Soloschauen fest, weil ihnen das Konzept gefiel.

Die Art Berlin, so viel ist klar, orientiert sich stärker am Markt. Das liegt wohl auch an der neuen Geschäftsführung. Mit der Kölnmesse ist ein ebenso erfahrener wie finanziell potenter Partner eingestiegen, um den Standort an der Spree zu stärken. Daniel Hug, Direktor der erfolgreichen Art Cologne, sieht ein zweites Standbein in der Hauptstadt nicht als Konkurrenz, sondern ergänzend. Er berät die Art Berlin, Maike Cruse agiert weiterhin als Direktorin und betont, dass man sich dieses Jahr aus Zeitgründen nicht bewerben konnte, sondern eingeladen wurde – auch ganz junge Galerien, die für wenig Geld einzelne Wände mieten durften.

Auf der Positions Art Fair zeigt die Berliner Galerie Art Cru die unbetitelte Arbeit des OutsiderKünstlers Oliver Rincke von 2016 aus Wellkarton, Wolle und Garn (Abb.: Oliver Rincke/Galerie Art Cru, Berlin)

Positions

Flankierend vergrößert sich auch die Positions Art Fair in der Arena in Treptow. Gut 80 Galerien, darunter Judith Andreae (Bonn) oder Bräuning Contemporary (Hamburg), aber auch wichtige Protagonisten der osteuropäischen Kunstszene stellen ein Programm zusammen, das sich ganz an der Gegenwart ausrichtet. Den allerjüngsten Sektor versammelt die Positions an ihrem zweiten Standort Bikini Berlin mit der Sonderschau „Academy Positions“: Hier stellen 30 Studenten der Kunsthochschulen Berlin, Weimar, Leipzig, Halle und Dresden aus.

Stadt voller Kunst

Die Messen beginnen am Donnerstag, den 14. September, und schließen mit dem offiziellen Ende der Berlin Art Week Sonntagabend. Die Art Week rahmt beide Plattformen mit einem anspruchsvollen Programm quer durch die Stadt – von institutionellen Ausstellungen über private Sammlungen bis zu Performances, zu denen auch die erste Aufführung des neuen Volksbühnen-Direktors Chris Dercon gehört. In der Akademie der Künste ist das filmische Werk von Danièle Huillet und Jean-Marie Straub zu sehen, im Me Collectors Room gibt es zeitgenössische Kunst aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und im KW Institute for Contemporary Art eine große Soloschau des Niederländers Willem de Rooij. Der Neue Berliner Kunstverein und das Kino Arsenal widmen sich dem Werk des 2014 verstorbenen Künstlers Harun Farocki, Berlins beste Projekträume werden ebenso prämiert wie eine junge Galerie vom Verein der Berliner Kaufleute und vom Landesverband der Galerien.

Fotografien des Dänen Erik Steffensen wie
Fotografien des Dänen Erik Steffensen wie "The Road" (2016) hängen am Stand der Galerie Bo Bjerggaard auf der neuen Art Berlin (Abb.: courtesy of Erik Steffensen und Galerie Bo Bjerggaard)

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