21.08.2017 Lisa Zeitz

Tropisches Berlin

Roberto Burle Marx kehrt an seinen Studienort zurück: Die Deutsche Bank KunstHalle in Berlin würdigt sein künstlerisches Werk

Wer schon mal in Rio war, kennt den Künstler. Mit seinem beschwingten Muster auf der Strandpromenade der Copacabana hat er das Stadtbild geprägt: Es ist voller Musik und vermittelt ein bewegtes, heiteres, aus der Sicht europäischer Besucher geradezu urbrasilianisches Lebensgefühl. Hierzulande hört jedoch manch einer zum ersten Mal von Roberto Burle Marx (1909–1994).

Porträt Roberto Burle Marx (Foto: Ayrton Camargo)
Porträt Roberto Burle Marx (Foto: Ayrton Camargo)

Es passt, dass er nun in einer Ausstellung in Berlin gewürdigt wird, denn hier hatte der junge Künstler sein Erweckungserlebnis. In São Paulo und Rio aufgewachsen, kam der Sohn einer brasilianischen Katholikin und eines jüdischen-deutschen Emigranten 1928 zum Studium der Malerei nach Berlin – und entdeckte ausgerechnet hier, im Botanischen Garten in Dahlem, die tropische Pflanzenwelt. Aus den Parks in den brasilianischen Städten seiner Jugend kannte er nur die damals obligatorischen europäischen Bäume und Blumen. Die starken Farben und Formen der Bromelien, die expressiven Blattkonturen der Philodendren beeinflussten von nun an seine Fantasie und sein Schaffen. Er wurde Landschaftsarchitekt, Künstler, Designer, ein einfallsreicher Tausendsassa, der die Asymmetrie zelebrierte und sogar Zuckerrohr in einen Park integrierte. Neben Oscar Niemeyer ist er einer der großen Protagonisten der brasilianischen Moderne. Die Schau, die zuvor im Jewish Museum in New York zu sehen war, breitet den ganzen Fächer von frühen Porträts bis zum Textil- und Schmuckdesign aus. Besonders beeindruckend sind die Architekturpläne. Auch sein letzter Entwurf für den Rosa-Luxemburg-Platz ist dabei. Schade, dass er nicht verwirklicht wurde.

Service

ABBILDUNG

Sítio Roberto Burle Marx, Rio de Janeiro

AUSSTELLUNG:

»Roberto Burle Marx: Tropische Moderne«,
Deutsche Bank KunstHalle, Berlin, bis 8. Oktober

DIESER ARTIKEL ERSCHIEN IN

Weltkunst Nr. 132/2017