11.08.2017 Gloria Ehret

Der Blick dahinter

Augsburg war im 18. Jahrhundert weltberühmt für seine Hinterglasbilder. Jetzt präsentiert das Schaezlerpalais sechzig Kostbarkeiten aus der Sammlung Steiner – ein erstaunlicher Einblick in das Spektrum der zerbrechlichen Kunst

Langjährigen „Weltkunst“-Lesern ist Wolfgang Steiner gut bekannt. Hat der Hinterglas-Sammler sich doch in unserer Zeitschrift als Autor zur Erforschung von Hinterglasbildern im Zusammenhang mit ihren grafischen Vorlagen in vielbeachteten Fachbeiträgen immer wieder zu Wort gemeldet. In der Folge haben die Kunstsammlungen und Museen Augsburg wiederholt erfolgreiche Ausstellungen mit Hinterglasbildern aus der Sammlung Gisela und Wolfgang Steiner präsentiert. Damit wurde die landläufige Meinung korrigiert, Hinterglasbilder seien eine Massenproduktion des 19. Jahrhunderts und bestenfalls der Volkskunst zuzurechnen. Steiner hat mit seinen Ausstellungen und den dazu erschienenen umfassenden Katalogbüchern das breite Spektrum der europäischen Hinterglaskunst von Tirol im 16. Jahrhundert bis Augsburg im 18. Jahrhundert ins rechte Licht gerückt. Nun ist aus der langjährigen fruchtbaren Zusammenarbeit des Sammlers mit den Museen Augsburg eine eigene kleine Museumsabteilung hervorgegangen: Steiner hat eine Auswahl von 60 Hinterglasbildern als Dauerleihgabe nach Augsburg gegeben.

San Giorgio Maggiore in Venedig, Johann Wolfgang Baumgartner (1702–1761). Foto: Stadt Augsburg, Kunstsammlungen und Museen
San Giorgio Maggiore in Venedig, Johann Wolfgang Baumgartner (1702–1761). Foto: Stadt Augsburg, Kunstsammlungen und Museen

Im 18. Jahrhundert waren Augsburger Hinterglasbilder international gefragt

Schon 1684 wurden die „Hinterglasmaler“ in Augsburger Quellen unabhängig von den „Ölmalern“ aufgeführt. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts ging ihre qualitativ hochwertige Serienproduktion nach beliebten Grafikmotiven in alle Welt hinaus. In zwei hellen Räumen direkt neben dem Foyer im Schaezlerpalais ist nun die Entwicklung der europäischen Hinterglaskunst und ihre enge Verbindung zur Druckgrafik, für die Augsburg ja ein weithin ausstrahlendes Zentrum war, an exemplarischen Beispielen vom 16. bis ins frühe 19. Jahrhundert zu verfolgen. 

Prunk-Kabinett mit Hinterglasmalerei, Neapel, 17. Jh. Ebonisiertes Obstholz, Eiche und Weichholz, Hinterglasmalerei mit Szenen aus den Metamorphosen des Ovid nach Radierungen von Antonio Tempesta (1555–1630). Foto: Stadt Augsburg, Kunstsammlungen und Museen
Prunk-Kabinett mit Hinterglasmalerei, Neapel, 17. Jh. Ebonisiertes Obstholz, Eiche und Weichholz, Hinterglasmalerei mit Szenen aus den Metamorphosen des Ovid nach Radierungen von Antonio Tempesta (1555–1630). Foto: Stadt Augsburg, Kunstsammlungen und Museen

Dass diese besondere Sparte zwischen Malerei und Kunsthandwerk nicht nur als „Flachware“ die Wände schmückte, belegt ein Prunkkabinett, das gleichsam als Auftakt in die neue Abteilung einführt. Das säulenverzierte Möbel aus ebonisierten Hölzern stammt aus dem Neapel des 17. Jahrhunderts. Die Schauseiten zeigen Hinterglasmalerei mit Szenen aus den „Metamorphosen“ des Ovid nach Radierungen von Antonio Tempesta (1555–1630) in mit Blattgold hinterlegten Schildpatt-Rahmen. Das prächtige Möbel befand sich einst in spanischem Adelsbesitz in Südamerika und ist ein anschauliches Zeugnis für die internationalen Verflechtungen verschiedener Kunstgattungen in der Renaissance- und Barockzeit.

Allegorie der Astronomie, Tirol – Südtirol, 2. Hälfte 18. Jahrhundert. Foto: Stadt Augsburg, Kunstsammlungen und Museen
Allegorie der Astronomie, Tirol – Südtirol, 2. Hälfte 18. Jahrhundert. Foto: Stadt Augsburg, Kunstsammlungen und Museen

Service

Abbildung ganz oben:

Allegorie der Astronomie, Tirol – Südtirol, 2. Hälfte 18. Jahrhundert. Foto: Stadt Augsburg,
Kunstsammlungen und Museen

Ausstellung

Hinterglasmalerei der Sammlung Steiner
dauerhafte Ausstellung
Schaezlerpalais, Augsburg