03.08.2017 Matthias Ehlert

Ausstellungshighlights im August

Skulpturen des Künstlers Jimmie Durham im Migros in Zürich und Fotografien der chinesischen Kulturrevolution Mao Zedongs im Berliner Museum für Fotografie. Weitere Highlights in unserer Monatsvorschau.

Jimmie Durham,
Jimmie Durham, "Alpine Substanz auf einer Wolfsburg-Konstruktion", 2007 (Foto: Stefan Altenburger Photography, Zurich/the artist)

Jimmie Durham
Migros, Zürich
26. August bis 5. November

Was so spaßig aussieht, hat bei dem 1940 geborenen Künstler stets einen gesellschaftspolitischen Resonanzraum. Durhams Skulpturen (re. „Alpine Substanz auf einer Wolfsburg-Konstruktion“, 2007) reflektieren den Status von Objekten zwischen Fetisch und Kunstwerk und irritieren mit diskursfremden Einsprengseln. In Zürich wird er eine raumfüllende Installation schaffen, die auf den Schädeln der größten europäischen Tierrassen basiert. Das neue abstrakte Werk will Unterscheidungen wie künstlich/natürlich oder Vergangenheit/Gegenwart sowie den Eurozentrismus allgemein infrage stellen.

Emil Nolde,
Emil Nolde, "Kopf eines Eingeborenen", 1913/14 (Foto: Lars Lohrisch/Nolde Stiftung Seebüll)

Der blinde Fleck
Kunsthalle Bremen
5. August bis 19. November

Bremen war im 19. und frühen 20. Jahrhundert ein Zentrum des schnell wachsenden globalen Handels. Koloniale Expansion und massenhafte Auswanderung nach Übersee hinterließen auch im 1823 gegründeten Kunstverein der Hansestadt Spuren. Die auf einem Forschungsprojekt beruhende Schau verknüpft die Geschichte des Kunstvereins mit der Handelsgeschichte und befragt Werke von Paula Modersohn-Becker oder Emil Nolde (u. „Kopf eines Eingeborenen“, 1913/14) auf ihre kolonialen Zusammenhänge. Die blinden Flecke, die dabei sichtbar gemacht werden, thematisieren die Darstellung und den Umgang mit dem Fremden.

Cantastorie
Kunsthaus Zürich
25. August bis 8. Oktober

Vorhang auf für einen unbekannten Schatz der neapolitanischen Volkskunst! Die „Cantastorie“, eine faszinierende Sammlung von Bildern und Bildzyklen, waren über Generationen im Besitz zweier Familien von Bänkelsängern und Puppenspielern aus Neapel und Foggia. Sie erzählen von edlen Prinzessinnen, schaurigen Räubern, heldenhaften Rittern und indirekt auch von den großen Themen der Kultur. Um an die Zeit dieser gleichsam ersten Comics anzuknüpfen, wird in der Ausstellung eine Bühne errichtet, die mit Konzerten, Veranstaltungen und Festen das Kunsthaus zum Marktplatz werden lässt.

Zhang Kechun, 2012 (Foto: Zhang Kechun)
Zhang Kechun, 2012 (Foto: Zhang Kechun)

Kulturrevolution und die Fotografie
Museum für Fotografie, Berlin
18. August bis 7. Januar 2018

Zehn Jahre, von 1966 bis 1976, wütete in China die vom „Großen Vorsitzenden“ Mao Zedong in Gang gesetzte Kulturrevolution. Ihr radikaler Anspruch war es, die Gesellschaft komplett umzukrempeln und durch Chaos zu höherer Ordnung zu gelangen. Millionen bezahlten dies mit ihrem Leben. Als Mao starb, hinterließ er ein Land im Elend. Das beste Zeugnis davon legen Fotografien ab (o. von Zhang Kechun, 2012), die von der unheilvollen Zeit erzählen, in der die Weisheiten aus der roten Mao-Bibel Humanität und Vernunft ersetzten.

Matisse im Atelier
Royal Academy of Arts, London
5. August bis 12. November

Die Gegenstände in seinem Studio – Keramik, Textilien, Masken – waren für Matisse T eine sprudelnde Quelle künstlerischer Eingebung. Eine Schau beleuchtet nun erstmals den Zusammenhang zwischen Interieur und Inspiration und setzt Originalstücke aus dem Atelier des Meisters mit seinen Bildern (u. „Kürbisflaschen, Issy-les-Moulineaux“, 1915) in Beziehung.

Weitere Termine:

ART Salzburg, 5. bis 27. August