09.09.2016 Christiane Meixner

Berlin Art Week: Ein Schloss für die Kunst

Bevor die Berlin Art Week offiziell eröffnet, lädt Schloss Biesdorf zur ersten Besichtigung. Aus dem Herrenhaus am Rand der Stadt ist ein Ausstellungsort für Ost- und Westkunst geworden

Schloss Biesdorf hat seine Vergangenheit nach 1945 abgestreift, aus der Ruine ist wieder jenes imposante Herrenhaus von 1868 geworden, in dem einst Werner von Siemens am Rand von Berlin lebte. Wenn sich am heutigen Freitag die Türen fürs Publikum öffnen, wirkt die Einladung zum Schlossbesuch wie eine kleine Anzahlung auf die Berlin Art Week – obwohl sie offiziell noch gar nicht begonnen hat. Denn Schloss Biesdorf ist ein neues, ambitioniertes Kunsthaus unter dem Dach der landeseigenen Gesellschaft Grün Berlin, die Park und Gebäude übernommen hat. Das historische Kleinod im spätklassizistischen Stil wurde äußerlich originalgetreu restauriert. Innen aber sind große, helle Ausstellungsräume entstanden, die eine Lücke zwischen den anderen kulturellen Institutionen der Stadt schließen wollen: Im „ZKR – Zentrum für Kunst und öffentlichen Raum Schloss Biesdorf“ wird Ost- und Westkunst gemeinsam gezeigt.

 

Schloss Biesdorf (Foto: Christo Libuda)
Schloss Biesdorf (Foto: Christo Libuda)

„Auftrag Landschaft“, die erste Schau, bringt beide auf ungewöhnliche Art zusammen. Während zwei Gemälde von Günther Brendel zeigen, wie ab 1978 die Hochhäuser von Marzahn-Hellersdorf in der noch dörflich geprägten Landschaft wachsen, befragte Jeanne van Heeswijk für ihre Videoinstallation „Amnesia of a Landscape“ (2006-2009) in den Niederlanden Anrainer einer neu gebauten Straße, wie diese ihre Umgebung verändert hat. Kurt Buchwald deutet 1988 seinen Auftrag, die Arbeiter einer Großbaustelle an der Friedrichstraße zu porträtieren, in eine gewagte Collage surrealer Fotografien um. Anna Rispoli, Jahrgang 1975, hat für die Klangarbeit „Safari“ ab 2005 akustische Fragmente gesammelt und verdichtet sie zum Metropolen-Sound.

 

Dialog über Jahrzehnte und Generationen

Es wird also nicht einfach gegenübergestellt, was innerhalb der DDR und zeitgleich jenseits der Mauer entstand. Der Dialog findet zwischen den Jahrzehnten und Generationen statt, um zu zeigen, dass es inhaltliche wie formale Fragen gibt, die Künstler über alle Grenzen hinweg beschäftigen. Im Schloss ist oft nicht zu erkennen, wann und wo eine Arbeit entstanden ist. ZKR-Direktorin Katja Aßmann hat dreißig künstlerische Positionen zusammengestellt. Die schwarzen Gummi-„Wolken“ (2010) von Michael Sailstorfer hängen schwer im Treppenhaus. Unweit davon steht ein wuchtiges Gefährt des Künstlerduos Köbberling/Kaltwasser, das unter dem Motto „Cars into Bicycles“ 2010 aus einem Saab zwei unförmige Fahrräder gebastelt hat. Gegenüber hängt ein großartiges Mail-Art-Projekt von Joseph W. Huber aus den späten siebziger Jahren. Es gehört zum Beeskower Kunstarchiv mit über 20000 künstlerischen Werken aus der ehemaligen DDR, aus dem Kuratorin Angelika Weißbach diverse Arbeiten für „Auftrag Landschaft“ ausgewählt hat. „Nature is life – save it“, heißt Hubers Arbeit. Köbberlin/Kaltwasser würden ihm mit ihren schweren, von Muskelkraft betriebenen Treträdern auch drei Jahrzehnte später nur zustimmen.

ZKR Zentrum für Kunst und öffentlichen Raum Schloss Biesdorf, Alt-Biesdorf 55, Di, Mi, Fr – So: 10-18 Uhr Do 13-21 Uhr, Am 9.9. Eröffnung für alle von 14-21 Uhr