11.08.2017 Stefan Weixler

Der letzte Schrei

Bonhams New York offeriert eine Satsuma-Vase

„The whole of Japan is a pure invention. There is no such country, there are no such people“, schrieb Oscar Wilde 1891 in seinem Essay The Decay Of Lying – sichtlich angewidert vom vermeintlichen „Land der Blumen und der Liebe“, das seit der Pariser Weltausstellung 1867 der „Letzte Schrei“ in ganz Europa war. 1853 / 54 hatte der amerikanische Commodore Matthew Perry den Inselstaat, der sich zuvor jahrhundertelang vom Rest der Welt isolierte, mit seinen Schwarzen Schiffen „Mississippi“, „Plymouth“, „Saratoga“ und „Susquehanna“ förmlich zu Handelsbeziehungen gezwungen. Und fortan schwappte japanisches Kulturgut in immer größeren Wogen Richtung Westen, zumal Kaiser Meiji (1868 – 1912) den wirtschaftlichen Anschluss in rasantem Tempo bewerkstelligen wollte. Schließlich infizierte der „Traum vom fernsten Osten“, wie der Kritiker Louis Vauxcelles bemerkte, unter dem Stichwort „Japonismus“ auch noch die europäische Kunst. Und umgekehrt schulte sich Japan – darauf bedacht, den fernen Erwartungen in jeder Hinsicht gerecht zu werden – in westlichem Know-how. Zum regelrechten Exportschlager entwickelte sich damals die Meiji-Keramik – fein gemacht, fein dekoriert: mit idyllischen Landschaften, prächtigen Blüten, bunten Vögeln etc. Bonhams offeriert am 13. September in New York eine 36,7 Zentimeter hohe Satsuma-Vase – benannt nach der Ursprungsregion der Objekte, die aufgrund des internationalen Erfolgs aber bald schon in ganz Japan produziert wurden. Das von Yabu Meizan (1853 – 1934) mit Schneeaffen bemalte Prunkstück soll mindestens 80.000 Dollar einspielen. 

Service

Abbildung

Satsuma-Vase, Meiji-Keramik, Japan, H.36,7cm, Malerei von Yabu Meizan (1853-1934) (Abb., Bonhams, New York)

Auktion

Bonhams
New York
13. September

Ein Brief aus New York zur Asia Week und weiteren Kunstereignissen in

KUNST UND AUKTIONEN Nr. 13/2017