16.06.2017 Christof Habres

Am Grünen Zaun mit Egon Schiele

Der „Grüne Zaun“ von Egon Schiele und die „Schwertlilien“ von Koloman Moser sind zwei Höhepunkte in den Sommerauktionen von Im Kinsky

Würde das Gesamtportfolio der 118. Kunstauktion des Im Kinsky nach lukullischen Richtlinien bewertet werden, dann hätte sich das Team einige Hauben verdient. Denn das vorliegende Menü verspricht eine hochqualitative wie abwechslungsreiche „Speisenfolge“. Die mag mit einem wunderbaren Teeservice der Wiener Werkstätten aus ­Silber und Ebenholz von Josef Hoffmann aus dem Jahr 1928 beginnen (Taxe 50.000 bis 100.000 Euro). Als Aperitivo empfiehlt sich ein eingehender Blick auf die „Schwertlilien“ von Koloman Moser aus dem Jahr 1911: eine dichte Komposition des Malers aus einem tiefen Blau mit changierendem Grün. 

Als Hauptgang seien Kunstgenießern zwei unterschiedliche Werke nahegelegt. Sowohl die außergewöhnliche Arbeit „Grüner Zaun“ von Egon Schiele (Taxe 150.000 bis 300.000 Euro) aus dem Jahr 1907 als auch Max Weilers „Baum mit violettem Stamm“ (Taxe 25.000 bis 50.000 Euro) aus dem Jahr 1989 überzeugen durch meisterliche Pinselführung ihrer Schöpfer. Die Arbeit Schieles war nicht nur in seiner ersten Ausstellung zu bewundern, sondern sie zeigt auch deutlich, welchen künstlerischen Weg er genommen hat. Beim Dessert hat man die Auswahl zwischen verschiedenen Richtungen: Entweder favorisieren Interessenten die expressionistischen Arbeiten eines Hans Staudacher, hier mit „7 Pinsel im Ruhestand“ zur Taxe von 16.000 bis 32.000 Euro vertreten, oder sie entscheiden sich für die stringent konzeptuelle Arbeit „o. T.“ der Künstlerin Esther ­Stocker (Taxe 12.000 bis 24.000 Euro). 

Service

Abbildung:

Egon Schiele, „Grüner Zaun“, 1907, (Abb.: Im Kinsky, Wien)

Auktion

Im Kinsky
Wien
20. bis 22. Juni

Dieser Beitrag erschien in:

WELTKUNST Nr. 130/2017