14.03.2017 Stefan Weixler

Wenn Worte fehlen

Rippon Boswell & Co. versteigert die letzte Tranche der Sammlung Ignazio Vok

„Können Sie mir sagen, was Schönheit sei? rief er aus. Vielleicht nicht! versetzte ich, aber ich kann es Ihnen zeigen …“ Ignazio Vok hat diese Passage aus Johann Wolfgang von Goethes 1798 / 99 entstandener kunsttheoretischen Schrift Der Sammler und die Seinigen explizit herausgestellt, als er zwischen 1994 und 2006 in vier Bänden seine über Jahrzehnte aufgebaute Kollektion orientalischer Textilien publizierte. 

Allein zwei seiner Sammlungskataloge sind den zentralasiatischen Suzani gewidmet. Die kunsthistorische Bedeutung dieser hochdekorativen, ausschließlich von Frauen in häuslicher Tradition gefertigte Stickereien wurde erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts in vollem Maß erkannt. In ihrer vegetabilen Musterung verarbeiten die Wandbehänge und Überdecken für Wohnräume Einflüsse der iranischen und moghul-indischen Hofkunst. Die ältesten erhaltenen Beispiele stammen aus dem 18. Jahrhundert. 

Beim Wiesbadener Auktionshaus Rippon Boswell & Co. kommt am 25. März – im Rahmen der dritten und letzten Tranche der Vok-Collection – eine zwischen 1825 und 1850 datierte, sogenannte Großmedaillon-Suzani zum Aufruf. Das in Südwest-Usbekistan – vermutlich Kermina – entstandene, archaisch-expressive Stück gehört zur seltenen „Designgruppe H“, aus der bisher nur ein weiteres Beispiel in einer amerikanischen Sammlung bekannt ist. Die 275 mal 180 Zentimeter messende Arbeit mit zentralem Vier-und-Eins-Muster, zwölf Rahmenblüten und Rankenbordüren soll mindestens 35.000 Euro einspielen.

Service

Der vollständige Vorbericht erschien in

KUNST UND AUKTIONEN Nr. 4/2017