03.02.2017 Stefan Weixler

Ein Bild der Unbeirrbarkeit

In früheren Zeiten bediente man sich der Folter. Heutzutage bedient man sich der Presse. Das ist gewiss ein Fortschritt“, schrieb Oscar Wilde (1854 – 1900) 1891 in seinem Essay „Der Sozialismus und die Seele des Menschen“. 

 

Nikolaus Babel (1643–1723), zugeschrieben, Büste des Heiligen Adrianus mit dem Löwen auf einem Amboss-Sockel, Linde, H. 82 cm, Nagel, Stuttgart, Auktion 22. Februar (Taxe 5000 €)
Nikolaus Babel (1643–1723), zugeschrieben, Büste des Heiligen Adrianus mit dem Löwen auf einem Amboss-Sockel, Linde, H. 82 cm, Nagel, Stuttgart, Auktion 22. Februar (Taxe 5000 €)

Mit Blick auf den Heiligen Adrianus von Nikomedia, der am 4. März 306 unter Kaiser Galerius Valerius Maximianus das Martyrium erlitten haben soll, kann man ihm da nur voll und ganz zustimmen: Dem römischen Offizier wurden erst beide Beine zerschmettert, dann beide Hände abgehackt – und schließlich auch noch der Kopf. Kurz vor dieser unmenschlichen Tortur war er bereits den Löwen zum Fraß vorgeworfen worden, die ihn aber unerklärlicherweise verschonten. Bekehrt wurde Adrianus der Legende nach durch 23 festgenommene, in ihrem Glauben jedoch unbeirrbare Christen, die ihre Folter mit den Worten begleiteten: „Wir erdulden all das, um die unaussprechliche Seligkeit zu gewinnen, die Gott denen bereitet hat, die leiden um seinetwillen.“

Nagel in Stuttgart offeriert am 22. Februar im Rahmen seiner 744. Auktion mit „Kunst und Antiquitäten“ diverse mittelalterliche und barocke Skulpturen aus einer belgischen Privatsammlung – darunter eine „Büste des Heiligen Adrianus“. Der Sockel, an den sich einer der braven Löwen schmiegt,  zeigt den Amboss, auf dem Adrianus seine finalen Qualen durchlitt. Das 82 Zentimeter hohe, in Lindenholz geschnitzte Stück ist Nikolaus Babel (1643 – 1723) zugeschrieben, der im südlichen Allgäu und benachbarten Tirol – in Füssen, Nesselwang, Oberstdorf, Pfronten etc. – tätig war. Mindestens 5000 Euro werden erwartet. 

Service

Der vollständige Vorbericht erschien in

KUNST UND AUKTIONEN Nr. 2 /2017