09.02.2017 Hartmut Kreutzer

Bis in die Grenzbereiche der Numismatik

In seinen Februar-Auktionen bietet das Auktionshaus Hirsch in München Münzen von der Antike bis in die Neuzeit, aber auch zahlreiche andere Kunstobjekte

Das Kulturgutschutzgesetz beschneidet den Kunstmarkt. Francisca Bernheimer, die Inhaberin des Traditionsunternehmens Gerhard Hirsch Nachfolger, berichtet, dass sie nur rund die Hälfte der üblichen 1600 Lose für die Auktionen versammeln konnte: „Das Problem ist der Import aus unseren Nachbarländern. Kaum ein Münz- oder Antikensammler hat alle nötigen Schriftsachen zu den Objekten parat, die oft in den Preisen nur um 120 Euro liegen.“ Trotzdem ist es Hirsch gelungen, wieder eine Fülle von antiken Kunstobjekten und historischem Schmuck zur Versteigerung zu bringen. Titelstück der Auktion 325 „Antike Kunstobjekte“ ist ein römischer Onyxkameo aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. in goldener Schmuckfassung. Effektvoll hebt sich in hohem Relief das Weiß der drapierten Frauenbüste vom schwarzen Untergrund ab (Taxe 30.000 Euro). Angeboten werden vorwiegend Keramikobjekte, Glasgefäße, Kleinbronzen und Schmuckstücke. Unter den insgesamt knapp 800 Objekten sticht eine attraktive rotfigurige Hydria (attisch, 4. Jahrhundert v. Chr.) mit der Darstellung einer Amazonenschlacht heraus (Taxe 17.500 Euro). Mit 90.000 Euro am höchsten geschätzt ist eine goldene Halskette mit perlenverzierten Anhängern aus Halbedelsteinen im frühbyzantinischen Stil. Sehr hübsch ist die Rückseite eines römischen Handspiegels aus Bronze mit dem Bild der drei Grazien (Taxe 3500 Euro). 

 

Runder Spiegel, Bronze, Reliefdarstellung der drei Grazien, römisch, 1. – 3. Jh., ø 12,5 cm (Foto: Gerhard Hirsch Nachf., München)
Runder Spiegel, Bronze, Reliefdarstellung der drei Grazien, römisch, 1. – 3. Jh., ø 12,5 cm (Foto: Gerhard Hirsch Nachf., München)

In der Auktion 326 „Antike Münzen“ findet man an die 800 Prägungen der griechischen und römischen Antike. Das Titelstück, ein römischer Sesterz, geprägt unter Kaiser Titus zur Erinnerung an seinen verstorbenen Vater Vespasianus, zeigt den vergöttlichten Kaiser auf einem Wagen thronend, der von vier Elefanten gezogen wird (Taxe 5000 Euro). Das Bild der Elefantenquadriga ist übernommen von einer ähnlichen Münze, geprägt unter Tiberius zu Ehren seines Vorgängers Augustus, der nach seinem Tod unter die Götter erhoben worden war, ein bis dahin einmaliger Vorgang, der im Laufe der späteren Kaiserzeit dann zur Routine wurde. Besondere Aufmerksamkeit verdienen ein um 425 v. Chr. geprägtes syrakusanisches Tetradrachmon von besonderer Seltenheit, eine der
frühesten Prägungen aus der sogenannten Periode der signierenden Künstler die mit 2500 Euro eher zurückhaltend taxiert ist, und ein Tetradrachmon von Akragas, dem heutigen Agrigent (Taxe 3500 Euro). Der Adler auf den Avers steht für Zeus, dessen göttlicher Schutz für die Polis auf diese Weise beschworen wird. In dem Taschenkrebs auf dem Revers manifestiert sich der Fluss Akragas, an dem die antike Siedlung gegründet worden war und von dem sie ihren Namen ableitete. Obwohl die Stadt vor ihrer Eroberung und Zerstörung durch die Karthager 406 v. Chr. die reichste und nach Syrakus bedeutendste unter den Griechenstädten Siziliens war, zeigt sich (mit Ausnahme der letzten Jahre) ihre Münzprägung im Vergleich mit Syrakus von erstaunlicher Einförmigkeit. Die Bildmotive Adler und Krabbe wurden jahrzehntelang kaum verändert beibehalten. Paradestück unter den Römermünzen ist ein seltener Aureus des Probus (Taxe 15.000 Euro). 

Akragas, Tetradrachme, 471 – 430 v. Chr., 16,98 g (Foto: Gerhard Hirsch Nachf., München)
Akragas, Tetradrachme, 471 – 430 v. Chr., 16,98 g (Foto: Gerhard Hirsch Nachf., München)

Mehr als 900 Münzen und Medaillen aus Mittelalter und Neuzeit bietet die Auktion 327, darunter ein neapolitanisches Goldstück (Doppia d’oro) mit dem Porträt Kaiser Karls V. (Taxe 5000 Euro). Als überaus selten gilt eine übergroße, aus Nürnberg stammende einseitige Bronzegussmedaille mit einer vielfigurigen alttestamentarischen Szene, die auf dem Umschlag des Katalogs abgebildet ist (Taxe 2500 Euro). Mehr kurioses Sammelobjekt als numismatisches Belegstück ist ein zu einer Brosche umgearbeiteter bayrischer Madonnentaler von 1626. Die beliebte, in späterer Zeit auf bayrischen Talern häufig anzutreffende Figur der von einem Strahlenkranz umgebenen, auf der Mondsichel ruhenden Patrona Bavariae mit dem Jesuskind auf dem Schoß ist hier kunstvoll farbig in Gold, Blau und Rot gefasst (Taxe 1500 Euro). Ebenfalls am Rande der Numismatik angesiedelt sind 21 hölzerne Dame-Brettsteine, die im 17. und 18. Jahrhundert in Nürnberg mit Stempeln für Medaillen geprägt worden waren (Taxen 325 – 700 Euro). 

Service

Abbildung ganz oben:

Bayern, Kurfürstentum, Breiter Reichstaler, 1626, in tordierter Fassung mit
Scharniernadel, 58,25 g (Foto: Gerhard Hirsch Nachf., München)

Auktion:

Hirsch Nachf.
München
Auktion 15. – 17. Februar

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Den vollständigen Text mit zusätzlichen Informationen zur Münz-Auktion bei Gorny & Mosch im März finden Sie in

KUNST UND AUKTIONEN Nr. 02/2017