14.02.2017 Martin Miersch

Avantgarde auf Papier

Nosbüsch & Stucke ruft am 18. Februar Bücher, Kunst und Fotografie auf. Unter den Besonderheiten sind die kompletten Ausgaben der Zeitschrift Shurnal lewowo iskusstwa der sowjetischen Konstruktivisten, die zwischen 1923 und 1924 erschienen sind, sowie ein Katalog der Dada-Messe in Berlin 1920.

Entscheidende Impulse der Avantgardekunst des 20. Jahrhunderts gingen von sowjetischen Künstlern aus. Die führende konstruktivistische Zeitschrift war in den 1920er-Jahren das von Wladimir Majakowski redigierte Journal Shurnal lewowo iskusstwa, kurz Lef. Die gleichnamige Künstlergruppe wurde von Majakowski Ende des Jahres 1922 gegründet. Die aus den Anhängern des Futurismus hervorgegangene linke Kunstfront sah sich als einzig wahre Ver­tretung revolutionärer Kunst. Künst­lerische Inspiration
wurde abgelehnt, stattdessen galt es, sich an Fortschritt, Tech­nologie und Wissenschaft zu ­orientieren und eine Ver­bindung zwischen Produktion und Kunst her­zustellen.

Industriedesign, Dokumentarfilm, Reportage, Dokumentation und Tatsachenbericht wurden als wichtiger erachtet als bildende Kunst, Film und Literatur im klassischen Sinne. Unter den Textbeiträgen finden sich illustre Namen wie Eisenstein, Majakowski und Pasternak. Nosbüsch & Stucke bietet nun alle sieben 1923 bis 1924 in Moskau erschienenen Hefte mit den Originalumschlägen von Alexander Rodtschenko an. Sie werden zusammen auf 6000 Euro taxiert.

Katalog der Dada-Messe, 1920 (Foto: Nosbüsch & Stucke, Berlin)
Katalog der Dada-Messe, 1920 (Foto: Nosbüsch & Stucke, Berlin)

Das teuerste Objekt der Auktion ist eine Koproduktion der führenden Dada-Künstler. Dieser Katalog der ersten internationalen Dada-Messe stellt ein absolutes Rarissimum dar. Er dokumentiert die Ausstellung und den Verkauf dadaistischer Erzeugnisse in der Berliner Kunsthandlung Otto Burchard. Versehen mit einer Fotomontage von George Grosz und John Heartfield als Umschlagbild und weiteren Abbildungen Heartfields soll der 1920 in Berlin erschienene Katalog der Dada-Ausstellung, an der neben Max Ernst, Otto Dix und Hannah Höch auch Francis Picabia teilnahm, 20.000 Euro einspielen.

In der Abteilung Geografie und Reisen fällt vor allem eine umfangreiche und reich illustrierte Enzyklopädie über die nordamerikanischen Indianer ins Auge. Henry Rowe Schoolcraft berichtet in der sechsbändigen Historical and Statistical Information, respecting the History, Conditions and Prospects of the Indian Tribes of the United States von 1853 bis 1856 über die Arbeit des Bureau of Indian Affairs. Die zahlreichen Tafeln zeigen Waffen, indianische Sitten und Gebräuche, Schriftzeichen und Geräte (Taxe 6000 Euro). In der Abteilung moderne Kunst glänzt die Offerte mit Arbeiten Gerhard Richters. Seine signierte Farb­serigrafie „Schweizer Alpen“ ist das Motiv „A1“ aus der Serie von fünf Siebdrucken (Taxe 2400 Euro).

Service

Abbildung ganz oben:

Katalog der Dada-Messe, 1920 (Foto: Nosbüsch & Stucke, Berlin)

Auktion:

Nosbüsch & Stucke,
Berlin, 18. Februar

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Dieser Beitrag erschien in

WELTKUNST Nr. 125/2017