13.01.2017 Stefan Weixler

Überirdische Momente

„In ihren künstlerischen Äußerungen zart und mehr den Sternen zugetan als der Erde“, schrieb Max Weiler (1910 – 2001) einmal über Katharina Prantl (* 1958), die er von 1978 bis zu seiner Emeritierung 1981 an der Wiener Akademie der bildenden Künste unterrichtete, ehe sie zu Arnulf Rainer wechselte.

Katharina Prantl (* 1958),
Katharina Prantl (* 1958), "Nocturne", Öl / Lwd., sign., 2016 dat., 130 x 80,5 cm, Ressler Kunst Auktionen, Wien, Auktion 23. Januar (Rufpreis 3000 Euro)

„Nocturne“, eine auf der Karibikinsel Nevis entstandene Impression (Öl / Lwd., sign., 2016 dat., 30 x 80,5 cm), die am 23. Januar für 3000 Euro bei Ressler Kunst Auktionen in Wien aufgerufen wird, bestätigt Weilers Urteil gleich im doppelten Sinn. Worauf er aber freilich im Kern abzielte, ist die unerhörte Leichtigkeit ihrer inwendigen Momentaufnahmen, die sie auf Reisen aus der ganzen Welt zusammenträgt. „Wie Streifen Folie erscheinen dünne Farbschichten und verschwinden, nur um wieder zu erscheinen“, charakterisierte Jehuda E. Safran Prantls Arbeitsweise. „Ihr ganzes Dasein, ihr Daseinsgrund besteht darin, von der anorganischen, mineralischen Gestalt ihres Ursprungs her verwandelt und dann in flüssige Gestalt umgewandelt zu werden, ehe sie wieder auftrocknen und zu einer Landkarte des Unbekannten gerinnen.“ 

Dass Prantls Persönlichkeit aber durchaus auch irdische Seiten besitzt, hat sie vor Monaten Otto Hans Ressler gegenüber in einer E-Mail dokumentiert: Mit der Frage „Ist die Malerei noch immer nur männlich?“ kritisierte sie damals unverhohlen die Offerte seiner Februar-Auktion – und gab damit den Anstoß zur kommenden, ausschließlich Werken von Künstlerinnen gewidmeten Versteigerung, bei der sie nun als „Nummer 1“ ins Rennen gehen darf.

Service

Der vollständige Vorbericht erschien in

KUNST UND AUKTIONEN Nr. 1 /2017