Pedro Almodóvar ist der international bekannteste Regisseur Spaniens. Im Film „Bitteres Fest“, das am 30. Juli in die deutschen Kinos kommt, widmet er sich der Frage: Darf ein Künstler das Leben anderer für seine Kunst vereinnahmen?
Von
23.07.2026
Ein Film von Regie-Größe Pedro Almodóvar über Pedro Almodóvar, der über Pedro Almodóvar schreibt? So könnte man sehr verkürzt das neue Melodram „Bitteres Fest“ des Spaniers beschreiben, das nun in die deutschen Kinos kommt. Doch ganz so einfach ist es nicht.
Almodóvar („Alles über meine Mutter“, „Sprich mit ihr“), der international bekannteste Regisseur Spaniens, spielt in dem Film mit einer sensiblen Frage: Inwiefern darf man als Künstler Inspiration aus dem Leben seiner Mitmenschen schöpfen und das in seinen Werken verarbeiten? Und wann ist eine moralische Grenze überschritten?
Wie Almodóvar darüber denkt, erklärte der 76-Jährige in der Süddeutschen Zeitung. Auf die Frage, ob Künstler Vampire seien, antwortete er schlicht: „Ja, das sind sie.“ Jeder Künstler stelle eine Gefahr für sein unmittelbares Umfeld dar, „weil er alles um sich herum seiner Inspiration unterwirft“. Aber, so schränkte er ein: „Man muss trotzdem versuchen, vorsichtig zu sein, um anderen keinen Schaden zuzufügen.“
„Bitteres Fest“ greift diesen Konflikt auf. Auf zwei Erzählebenen verschränkt der Film die Schaffenskrise des Filmemachers Raúl (Leonardo Sbaraglia) mit dem Leben der Werberegisseurin Elsa (Bárbara Lennie) – bis sich herausstellt, dass sie eine Figur seines Drehbuchs ist. Raúl bedient sich für sein Skript an Geschichten aus seinem Umfeld, saugt es – um in der Vampir-Metapher zu bleiben – aus.
So lässt er sich von tragischen Ereignissen aus dem Leben seiner Assistentin Mónica (Aitana Sánchez-Gijón) inspirieren – was ihr natürlich nicht gefällt. Gleichzeitig zieht seine Drehbuch-Figur Elsa ebenfalls Inspiration aus dem Leben einer Freundin für ein Drehbuch.
„Bitteres Fest“ bewegt sich auf mehreren Meta-Ebenen, was den Film trotz der originellen Idee leider zu verschachtelt und verkopft geraten lässt. Was einen Almodóvar-Film aber immer sehenswert macht, ist der besondere Stil: Der Regisseur inszeniert die Geschichte wieder in seinen gewohnt leuchtenden und ästhetischen Farbkompositionen.
Und: Es gibt auch viele unterhaltsame Momente. Zum Beispiel, als Elsa einer Ärztin erklärt, was man unter „Kultregisseur“ versteht. In diesen Momenten denkt man unwillkürlich daran, wie viel wohl von Almodóvar selbst, der seine Filme gerne mal autobiografisch gestaltet, in den Charakteren steckt.
Er erkenne sich in Raúl wieder, sagte der Regisseur bei den Filmfestspielen in Cannes, wo der Film im Wettbewerb lief. Dennoch handle es sich nicht um eine einfache Kopie seines Lebens; die Figuren seien komplex und mit vielen anderen Dingen verflochten. „Alles, was der Regisseur Raúl in „Bitteres Fest“ sagt, würde ich auch so unterschreiben.“ Eine kreative Krise wie er habe er „in der Form“ aber nie erlebt – „zum Glück.“ (dpa)