Auktionsobjekte aus Fernost

Wie entwickelt sich der Markt für Asiatika?

Die Aufbruchsstimmung, die aktuell Sotheby’s, Christie’s und den Handelsplatz Hongkong prägt, ist in Europa zwar nicht zu erkennen, doch das Niveau wird gehalten

Von Ricarda Daberkow
07.07.2026
/ Erschienen in Kunst und Auktionen Nr. 12/26

Nach langem Regen klart der Himmel auf.“ Dieses chinesische Sprichwort mag die momentane Situation des Asiatika-Sektors beschreiben, der sich nach den schweren Zeiten während der Corona-Pandemie wieder konsolidiert hat. Nun findet der Markt zu einer gewissen Dynamik zurück – und es scheint, die verhangenen, trüben Zeiten sind vorüber.

Die traditionelle New Yorker Asien-Woche von Sotheby’s im März erwirtschaftete das zweithöchste Ergebnis der letzten fünf Jahre. Erstmals fand sie im neuen Hauptsitz an der Madison Avenue statt, einem von Marcel Breuer 1966 als Museumsbau entworfenen, fünfstöckigen Gebäude mit markantem, strengem Äußeren. Erworben für 100 Millionen Dollar, wie amerikanische Medien berichteten, und zum Headquarter umstrukturiert, ist dieser Umzug der Beweis dafür, dass es den Großen der Branche auch während der Talsohle nicht allzu schlecht ergangen sein kann.

 

Faltbarer Huanghuali-Stuhl aus Holz, China, Ming- / Qing-Dynastie
Faltbarer Huanghuali-Stuhl, China, Ming- / Qing-Dynastie, 17. Jh., 109 × 76,5 × 60 cm, Sotheby’s, New York, 25. März (Zuschlag 1,6 Mio. $). © Christie’s Images Ltd.; Bonhams, London

Ein faltbarer Huanghuali-Stuhl aus dem 17. Jahrhundert mit Pferdehuflehne erzielte 1,6 Millionen Dollar und verdeutlichte, dass hochwertige Möbel aus wertvollen Hölzern nach wie vor gefragt sind. Auch tibetische Kunst hat ihre Käufer: ein Thangka aus dem 14. Jahrhundert mit Goldakzenten konnte seine Taxe mehr als verdoppeln und kletterte auf 500.000 Dollar. Er zeigt das Leben des erleuchteten Buddha Shakyamuni.

Den Großen der Branche ging es auch während der Talsohle nicht schlecht

In der Pariser Auktion mit „Arts d’Asie“ des Hauses am 11. Juni kletterte ein in den Dreißiger-, Vierzigerjahren entstandener Stellschirm des vietnamesischen Künstlers Pham Hau (1903 – 1995) von geschätzten 250.000 auf  1,35 Millionen Euro: Künstlerrekord. Er ist mit einer dunkel gehaltenen Waldszene dekoriert, in deren Ferne der Himmel zwischen schwarzen Baumstämmen golden leuchtet. Im Vordergrund steht eine Herde feingliederiger, fast magisch schimmernder Hirsche. Dieses Motiv, das Wohlstand und Frieden symbolisiert, hat Pham Hau zeit seines Lebens immer wieder dargestellt. Er verband in diesen Bildern gekonnt meisterhafte, modern anmutende Naturdarstellung mit traditionellem Handwerk.

Hongkong ist durch seine Nähe zum chinesischen Markt nach wie vor ein Ort, an dem besondere Objekte unter den Hammer kommen und Höchstpreise für Asiatika erzielt werden. So konnte Christie’s nach Abschluss der dortigen „Asian Art Week“ Ende April das beste Ergebnis seit 2018 vermelden. Für chinesische Malerei verzeichnete das Haus einen 15-prozentige Steigerung. Eine Kalligrafie von Wang Shouren aus dem 15. Jahrhundert brachte umgerechnet 5,7  Millionen Euro. Besser bekannt ist der Künstler, Staatsmann und Philosoph unter seinem Gelehrtennamen Wang Yangming. Ein blau-weißes Porzellangefäß aus der Ai-Lian-Tang-Sammlung, datiert ins 13. / 14. Jahrhundert, erzielte umgerechnet über 16  Millionen Euro. Das bauchige Objekt mit Szenen aus einem bekannten Theaterstück, das von einer Liebesgeschichte zu Zeiten des Anlushan-Aufstands handelt, zeigt, dass auch hochwertige und seltene Porzellane weiterhin sehr gefragt sind.

Blau-weißes Gefäß aus Porzellan, China, Yuan-Dynastie
Blau-weißes Gefäß, Porzellan, China, Yuan-Dynastie (1279–1368), H. 27,4 cm, Christie’s, Hongkong, 30. April (Zuschlag 16,15 Mio.€). © Christie’s Images Ltd.; Bonhams, London

Am 10. Juni konnte Christie’s in Paris im Rahmen des „Printemps Asiatique“ mit zwei Losen die Millionengrenze überspringen: Ein außergewöhnlich gut erhaltener Druck der „Großen Welle“ von Hokusai schloss mit 1,3 Millionen Euro ab. Eine ebenso gut erhaltene und sehr große Statue des „Karmapa“ aus der Ming-Dynastie stieg auf 2,15 Millionen. Das spirituelle Oberhaupt der tibetischen Karma-Kagyü-Linie sitzt hier sehr aufrecht in Meditation, der Saum seines feinen und faltenreichen Gewandes fällt dekorativ über den Sockel. Dem Betrachter hat er sein freundliches Antlitz zugewandt.

Mit durchwachsenen Ergebnissen schloss Bonhams in London die Asien-Auktion im Mai ab. Besondere Stücke zeigten aber auch hier ihr Potenzial – etwa das seltene Album „Zhigong tu“ aus dem 18. Jahrhundert mit einem Zuschlag von 75.000 Pfund. In diesem Konvolut sind Abbildungen von Menschen verschiedener ethnischer Herkunft in jeweils typischer Kleidung versammelt, die die Vielfalt der Bevölkerungsgruppen im chinesischen Reich während der Qing-Zeit illustrieren.

Album mit bunten Personendarstellungen aus Tusche, Farben, Gold, China, Qianlong- Periode
Album „Zhigong tu“, Tusche, Farben, Gold, China, Qianlong- Periode, 18. Jh., Bonhams, London, 14. Mai (Zuschlag 75.000 £). © Christie’s Images Ltd.; Bonhams, London

Bei Koller in Zürich wurde im Dezember exquisite religiöse Kunst aus Asien angeboten – und so nimmt es nicht Wunder, dass ein Bodhisattva im tibetisch-chinesischen Stil zum Preis von 80.000 Franken den Besitzer wechselte. Eine Meditationsgottheit des tantrischen Buddhismus konnte ihre untere Taxe fast verdoppeln und erzielte über 60.000 Franken. Die vielarmige Figur des Chakrasamvara aus dem 15. Jahrhundert ist in Vereinigung mit seiner Partnerin im sogenannten „Yabyum“ dargestellt.

Bodhisattva Statue, Bronze, tibetochinesisch
Bodhisattva, Bronze, tibetochinesisch, 16. / 17. Jh. H. 25,6 cm, Koller, Zürich, 5. Dezember 2025 (Zuschlag 80.000 CHF). © Christie’s Images Ltd.; Bonhams, London

Auch Nagel in Stuttgart konnte in seiner Herbst-Auktion ein gutes Ergebnis einfahren. Ihren Teil dazu bei trug ein kaiserliches Gefäß mit Deckel auf gelbem Fond. Die 16,5 Zentimeter hohe Vase in abgeflachter Balusterform, die von einem kunstvoll geschlungenen Tuch mit dickem Knoten – scheinbar ein japanischer „Furoshiki“ – umfangen wird, kletterte von 40.000 auf 510.000 Euro. Sie entstammte der Yongzheng-Zeit (1723–1735) und trägt die kaiserliche Vierzeichenmarke. Ein „Buddha des unendlichen Lebens“, der durch seine charakteristische indo-himalayische Ästhetik, seine Provenienz aus diplomatischer Sammlung sowie seine kaiserliche Abstammung punktete, erzielte 650.000 Euro. Die vergoldete Bronze zeigt Amitayus königlich gekrönt und geschmückt mit Ketten und Anhängern mit bunten Halbedelsteinen. Er sitzt in perfekter Haltung mit geöffneten Augen und einem fast verschmitzten Lächeln auf einem überaus fein gestalteten, doppelten Lotosthron. Eine Inschrift im Innern nennt die Zahl 77 und das Jahr 1686. Besondere Objekte validierter Provenienz und historischer Tiefe erzielten also auch hier gute Preise.

Kaiserliche Deckelvase, bunt bemalt, China, Yongzheng-Periode
Kaiserliche Deckelvase, Emailmalerei / gelber Fond, China, Yongzheng-Periode, H. 16,5 cm, Nagel, Stuttgart, 8. Dezember 2025 (Zuschlag 510.000 €). © Christie’s Images Ltd.; Bonhams, London

Eines der Toplose bei Lempertz kam aus der Sammlung Voretzsch

Im weltweiten Vergleich nehmen sich die europäischen Top-Zuschläge jedoch bescheidener aus und sind insgesamt auch seltener. Die Aufbruchsstimmung, wie sie aktuell wieder bei Sotheby’s oder Christie’s herrscht, ist in Europa insgesamt nicht festzustellen – aber das Niveau wird gehalten. Die lange sprudelnde Quelle an Einlieferungen scheint aber zunehmend weniger auszuschütten.

Lempertz in Köln konnte im Dezember mit einem seltenen chinesischen Geyao-Tellerchen aus dem 12.bis 13. Jahrhundert punkten. Wohl ursprünglich in kaiserlichem Besitz und seit Anfang des 20. Jahrhundert in der Sammlung des ehemaligen Diplomaten Ernst A. Voretzsch beheimatet, steigerte sich das feine Stück von 80.000 auf 170.000 Euro. Die Steigerung beruhte nicht zuletzt auf der einzigartigen Glasur des Objekts, die unter dem Namen „Eisenfaden und Golddraht“ bekannt ist und nur in kaiserlichen Werkstätten hergestellt wurde. Nur sehr wenige solcher Gefäße haben die Zeit überdauert und finden sich in hochrangigen Museumssammlungen wie dem Palast-Museum in Beijing oder dem National Palace Museum in Taibei.

Ritualgefäß aus Bronze, China, frühe westliche Zhou-Zeit
Ritualgefäß vom Typ ding, Bronze, China, frühe westliche Zhou-Zeit (1046- 771 v. Chr.), H. 24,6 cm, ø 20,1 cm, Lempertz, Köln, 13. Juni (Zuschlag 450.000 €). © Christie’s Images Ltd.; Bonhams, London

Unter den Toplosen der Lempertz-Auktion vom 13. Juni fand sich abermals ein Los aus der Sammlung Voretzsch. Das 24 Zentimeter hohe Ritualgefäß aus dem antiken China mit halbkugeligem Korpus auf drei Röhrenbeinen (mit denen es ins offene Feuer gestellt werden konnte) wurde wohl 1907 vom Sammler in Hongkong erworben. Es steigerte sich trotz starker Restaurierung von geschätzten 15.000 auf 450.000 Euro. Ein Paar polychromer Kummen aus dem 19. Jahrhundert in Hufform mit ausschweifender Lippe konnte seine Taxe von 4000 Euro mehr als versiebzigfachen und wechselte schließlich bei 300.000 Euro den Besitzer. Die Sockel dieser weißgrundigen Gefäße sind mit einem breiten Wellenband in (unterglasur-)blauen Tönen dekorativ geschmückt. Darüber fliegen filigran gezeichnete, rote Fledermäuse – ein optisch sehr ansprechender Dekor mit positiver Symbolik: die „Rote Fledermaus“ – „hongfu“ – ist im Chinesischen nämlich gleichlautend mit umfassendem Glück! Sehr begehrt war auch das Blatt indischer Miniaturmalerei mit einer Darstellung aus dem „Bhagavata Purana“. In opaken Farben und Goldakzenten zeigt es eine idyllische Szene mit Krishna und Balarama bei der Fußmassage. Einem Bieter war das auf 6000 Euro geschätzte Blatt vom Ende des 18. Jahrhundert aus Himachal Pradesh 200.000 Euro wert. Dagegen fanden einige der im Vorfeld als Highlights beworbene Objekte mit hohen Ausgangstaxen keine Abnehmer – etwa das außerordentlich große Paar Lokapala oder zwei imposante Wächterfiguren aus der Tang-Zeit (618–907). Hier wird wieder einmal deutlich, dass sich Erfolg oder Fehlschlag, Kauf oder Rückgang schwer voraussagen lassen. 

Zur Startseite