Entdeckungstour durch den Wörlitzer Park

Den letzten Tag verbringen wir im Wörlitzer Park. Nach dem Schlossbesuch erkunden wir den Venustempel, die Luisenklippe und das Gotische Haus

Diesen Tag verbringen wir (fast ausschließlich) im Wörlitzer Park. Er zählt, wie alle Schlösser und Gartenanlagen von Dessau-Wörlitz, seit einem Vierteljahrhundert zum Unesco-Weltkulturerbe. Ein Auto braucht man für die Strecke nicht: Vom Hauptbahnhof in Dessau fahren regelmäßig Busse, in der Hauptsaison ab April erreicht man den ältesten erhaltenen Landschaftsgarten auf dem europäischen Kontinent außerdem mit der Dessau-Wörlitzer Eisenbahn.

Beide Verkehrsmittel steuern auf ihrem gut halbstündigen Weg diverse Haltestellen an; die Bahn das reich ausgestattete Schloss Oranienbaum mit seinem weitläufigem Garten nach niederländischem Vorbild. Mit dem Bus gelangt man zum Schloss Luisium, das um 1775 entstand und ein Geschenk für die Fürstin Luise von Brandenburg-Schwedt war. Im historischen Gästehaus kann man ebenfalls übernachten. Der Bus hält auch am ehemaligen Kraftwerk Vockerode, einem Industriedenkmal von unglaublichen Dimensionen. Wer hier aussteigt, um den 1998 endgültig stillgelegten Riesen zu umrunden, sollte allerdings bedenken, dass man auch für den Wörlitzer Park mit seinen Inseln und arkadischen Bauwerken Zeit braucht. Vier Stunden vergehen hier wie im Flug, noch dazu lädt Schloss Wörlitz zu einem ausgedehnten Besuch ein. Erbaut hat es Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff im Auftrag von Fürst Franz, der auch den Park nach englischem Vorbild anlegen ließ. Das klassizistische Gebäude von 1773 diente als Sommersitz, war jedoch öffentlich zugänglich: Der viel reisende Fürst und spätere Herzog wollte sein Volk bilden und präsentierte dort antike Skulpturen, italienische und niederländische Gemälde, Keramik aus der Manufaktur von Wedgwood und Roentgen-Möbel. Fast alles ist erhalten, selbst der damals absolut moderne Eisschrank und die versenkbaren Türen.

Das Gotische Haus steht seit 1773 im Wörlitzer Park. Es hat eine rot-weiße Fassade
Das Gotische Haus steht seit 1773 im Wörlitzer Park. © Heinz Fräßdorf/Bildarchiv Kulturstiftung Dessau-Wörlitz

Vor der ausgedehnten Tour empfiehlt sich ein Stopp in einer der Bäckereien am Park oder im Biergarten am ehemaligen Küchengebäude des Schlosses. Im Gartendenkmal selbst findet sich bis auf einen Imbiss am Floratempel keine Gastronomie. Selbstversorgung ist geboten, damit man nicht hungrig auf halbem Weg aufgeben muss. Im alten Küchengebäude hält die Tourist Information auch einen übersichtlichen Plan bereit mit allen Bauten und Skulpturen.

Wir wenden uns nach rechts, passieren die Insel Stein mit der Villa Hamilton und antikem Theater, das Rote Wallwachhaus und das Pantheon, bewundern die Goldene Urne, die Luisenklippe und den Venustempel. Das Gotische Haus ist ebenso wie der Kuhstall ein architektonisches Kleinod, fast vergisst man bei ihrem Anblick, welche Strecke man bereits zurückgelegt hat. Und weiter geht es durch die fünf unterschiedlich gestalteten Bereiche des Gartens mit ihren Sichtachsen, Brücken und Kanälen, die sich um den Wörlitzer See gruppieren und im Labyrinth von Neumarks Garten münden. Den Tag beschließen wir im familiären Gasthaus zum Hauenden Schwein: Es hält neben gehobener bürgerlicher Küche auch Zimmer bereit.

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