Das Kunst-Festival Various Others gewinnt immer mehr an Format. Die Vernetzung von Galerien und Institutionen steht in der bayerischen Hauptstadt im Mittelpunkt
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11.05.2026
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Erschienen in
WELTKUNST Nr. 255
Die Kunst zu feiern ist immer ein gutes Rezept. In Zeiten sich wandelnder Strukturen der kommerziellen Kunstvermittlung entwickeln Akteure neue Formate, und das zehntägige Münchner Festival Various Others hat sich seit seiner Gründung 2018 als eines der erfolgreichsten erwiesen.
Die Veranstaltung bringt die Atmosphäre eines zeitgeistigen Gallery Weekend in die Stadt, stellt das Ganze aber auf das münchnerisch-solide Fundament der Institutionen. Und sie vergisst auch die Kunstschaffenden nicht, deren Arbeit Inhalt, Sehnsuchtsziel und Klebstoff die Liebe zur zeitgenössischen Kunst ist. Die Organisatoren von Various Others setzen auf eine konsequente Vernetzung von Galerien, Institutionen und Ausstellungsplattformen, und sie laden auch internationale Galerien ein. Diesmal kommen unter anderen Esther Schipper, Hauser & Wirth, Kamel Mennour oder die Bernard Jacobson Gallery aus London.
Dabei geht es nicht bloß um Zusammenarbeit in Programmgestaltung und Event-Planung oder um die Vermittlung von Ausstellungsflächen, sondern auch um eine Öffnung des eigenen Netzwerks. Dies entspricht ganz offensichtlich dem Selbstverständnis einer jüngeren Zielgruppe, deren Vorstellung von Kollaboration mehr von Austausch und Lernen bestimmt ist als von spitzen Ellenbogen, in der Theorie zumindest. Der das Festival ausrichtende Non-Profit-Verein ist jedenfalls so stolz auf das Konzept, dass er dieses Jahr erstmalig einen Preis verleihen wird für die beste Kooperation zwischen Galerien und Ausstellungsorten, die von Kunstschaffenden betrieben werden. Von solchen artist-run spaces gibt es mit Eyes Only, GiG Munich, Milchstraße 4, Nebyula / Rosa Stern Space, pip und Space N.N. immerhin sechs; insgesamt sind bei Various Others 39 Adressen aufgelistet.
Unter ihnen sind Münchner Institutionen, die man wie etwa die Kunsthalle, den Kunstraum oder den Kunstverein München bei solch einer Veranstaltung erwarten könnte. Aber es gibt auch Überraschungen, etwa das NS-Dokumentationszentrum. Mit von der Partie ist darüber hinaus das Haus der Kunst, dessen Maxime „where the future happens“ in den vergangenen Jahren durch seinen künstlerischen Leiter Andrea Lissoni reichweitenstark umgesetzt wurde (ein glaubwürdiger Partner für Various Others, findet der Autor, der seit einigen Jahren als Chairman der dortigen Patrons der Freunde Haus der Kunst fungiert).
Es ist nur fair, die teilnehmenden Galerien alle aufzuzählen, denn sie sind mit ihren Ausstellungen, Eröffnungspartys, Künstlergesprächen und idealerweise Verkäufen der Treibstoff des Projekts: Behncke Gallery, Paulina Caspari, Max Goelitz, Galerie Friese, Galerie Françoise Heitsch, Jahn und Jahn, Jo van de Loo, Kraupa-Tuskany Zeidler, Knust Kunz Gallery Edition, Lohaus Sominsky, Galerie Christine Mayer, Nouveaux deuxdeux, Britta Rettberg, Deborah Schamoni, Galerie Rüdiger Schöttle, Sperling und Walter Storms. Ihre Arbeit flankieren 60 öffentlich zugängliche Veranstaltungen, von Walking Tours über Performances und Konzerten bis hin zum Kunstprogramm VO Special in der Tradition von Jan Hoets legendärer Ausstellung „Chambres d’amis“, die 1986 in Genfer Privatwohnungen stattfand.
Nach einer experimentell geprägten Phase scheint die Veranstaltung Various Others ihre Identität gefunden zu haben. Schon jetzt kommuniziert die Website die Kollaborationen als zentrale Idee. Echter Gallery-Weekend-Style schließlich ist das große Dinner am Samstagabend, wie in Berlin an einem aufregenden und für die meisten der Geladenen ungewohnten Ort – auf diese Gästeliste würde man wollen!
Various Others,
an 39 Orten in München,
vom 14. bis 24. Mai,
variousothers.com