Mit der Art Cologne in Palma rückt Mallorca in den Fokus der Kunstwelt. Doch auch jenseits der Messe gibt es kulturell sehr viel zu entdecken. Wir haben Kennerinnen und Kenner nach ihren Geheimtipps gefragt
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10.04.2026
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Erschienen in
WELTKUNST NR: 253
von Daniel Hug
Ich kenne von der Insel vor allem die Südostküste. Eines meiner absoluten Highlights auf Mallorca ist das Can-Lis-Haus des dänischen Architekten Jørn Utzon, der auch das Opernhaus in Sydney entworfen hat. Utzon hat das Haus 1972 gebaut, nachdem er Australien verlassen hatte. Die Architektur verbindet sich hier auf eine wunderbare Weise mit der Natur. Mein Traum wäre es, in diesem Haus zu wohnen. Es ist in Privatbesitz, kann aber an bestimmten Terminen besichtigt werden. Can Lis liegt in Portopetro, einem Hafenort an der Südostküste in der Region Migjorn in Santanyí. Ein sehr gutes Restaurant in Portopetro ist das Ca’n Martina direkt am Hafen. Hier sitzt man draußen am steilen Betonsteg, nur einen Steinwurf vom Wasser und den Fischerbooten entfernt.
DANIEL HUG, Enkel des Künstlers László Moholy-Nagy, ist Direktor der Art Cologne
von Ulla Pietzsch
Das Anwesen des Museo Sa Bassa Blanca mit seinem Skulpturenpark liegt ganz im Norden Mallorcas bei Alcúdia, auf der Halbinsel La Victòria. Getragen durch zwei Menschen, die dort leben und wirken:das Künstlerpaar Yannick Vu und Ben Jakober, zwei, die sich gefunden haben. Sie ist Malerin, er Bildhauer. Und sie sammeln. Für ihren Kunstbesitz haben sie eine Stiftung gegründet. Mein Mann und ich besuchten vor Jahren mit einer kleinen Gruppe diesen wunderbaren Ort inmitten einer Waldland schaft. Wir waren begeistert. Nach dem frühen Tod ihrer Tochter fanden sie Trost mit der Sammlung von Kinderporträts (siehe oben das Bildnis eines Jungen von François Quesnel, 1603). Daneben zeigen sie eigene Kunst, zusammen mit Malerei und Skulpturen verschiedener Epochen. Darunter auch Domenico Gnoli. Yannick Vu war die Frau des Malers, der 1963 nach Mallorca kam. Sie heirateten 1965, aber Gnoli starb schon mit 46 Jahren. Wir besaßen ein sehr schönes Bild, das er auf Mallorca gemalte hatte. Vor einigen Jahren haben wir es verkauft, es gehört nun der Fondazione Prada in Mailand. Man sagt, Sammler sind glückliche Menschen! Meine Verehrung gilt dem Künstlerpaar Jakober-Vu.
ULLA PIETZSCH baute mit ihrem verstorbenen Mann Heiner in Berlin eine bedeutende Surrealismus-Sammlung auf. Mallorca ist ihr zweites Zuhause
von Jule Kewenig
Mein Lieblingsort auf Mallorca? Da gibt es so viele, darum lebe ich hier. Vor sechzig Jahren, bei einer meiner ersten Reisen hierher, verschlug es mich in das abgelegene Dorf Orient in der Tramuntana. Es besteht nur aus ein paar Häusern, am Ortsende ein Restaurant. Dort setzte ich mich hin – und konnte es gar nicht fassen, welche Stille hier herrschte. Das hatte ich so noch nie erlebt, auch später nicht mehr. Und wenn man Glück hat, sieht man die seltenen Mönchsgeier am Himmel kreisen. Das Restaurant Ca’n Tomeu existiert immer noch. Sonntags gibt es für mich nichts Schöneres, als mit meiner Familie dorthin zu fahren und den besten „Arroz Brut“ der Insel zu essen.
JULE KEWENIG zeigt seit 2004 in Palma ein hochkarätiges Galerieprogramm
von Juan Pablo García-Berdoy
Einer meiner Lieblingsorte, besser gesagt, einer meiner Lieblingswege auf Mallorca ist der Camí de Pedra Seca (der Weg des trockenen Steins), vor allem zwischen Valldemossa und Deià. Er beginnt im idyllischen Port d’Andratx, wo man von Küste aus bereits die Spitzen der Serra de Tramuntana erahnt. Von dort führt er langsam in eine kältere, rauere Landschaft. Die Palmen verschwinden, man bewegt sich entlang der bergigen Steinküsten. Der Weg folgt alten Trockensteinmauern, verlassenen Klöstern und sogar Schneegruben und durchquert Mallorca bis nach Pollença im Nordwesten. Für mich führt er durch die wildesten Teile der Insel, voller Kurven, Abzweigungen und fast archaischer Strukturen. Wenn man auf dem Weg übernachten möchte, empfehle ich vor allem die Herberge vor der Ankunft in Deià.
JUAN PABLO GARCÍA-BERDOY ist Diplomat und Jurist. Von 2012 bis 2016 war er spanischer Botschafter in Berlin, bis 2021 Ständiger Vertreter bei der Europäischen Union
von Brigitte Rohm
Der Fotograf Toni Catany reiste um die ganze Welt, doch blieb er dem Mittelmeer stets verbunden. Geboren 1942 auf Mallorca, lebte er ab den Sechzigern in Barcelona. Häufig arbeitete er mit Techniken aus der Frühzeit des Mediums, etwa Kalotypie und Cibachrome. 2014, ein Jahr nach seinem Tod, wurde die Fundació Toni Catany gegründet, die 2023 das Centre Internacional de Fotografia Toni Catany in seiner Geburtsstadt Llucmajor eröffnete. Das architektonische Schmuckstück aus traditionellen Materialien umfasst das einstige Haus des Fotografen und das des früheren Gemeindepfarrers und Fotografie-Enthusiasten Tomàs Monserrat (1873–1944). Neben Catanys persönlichem Archiv beherbergt es seine Sammlung mit Arbeiten von Man Ray, Graciela Iturbide, Humberto Rivas oder Henri Cartier-Bresson. Rund um das Thema Fotografie werden hier außerdem hochkarätige Ausstellungen und Veranstaltungen geboten.
BRIGITTE ROHM ist Kulturredakteurin der Mallorca Zeitung und lebt seit 2020 auf der Insel
von Simone Sondermann
Wer einen guten Mallorca-Tipp möchte, fragt am besten Katharina Herold. Wobei ihr Wohn- und Galeriehaus in Felanitx selbst die beste Empfehlung ist. Das Gebäude stammt aus dem 19. Jahrhundert, drinnen erwartet einen ein bezaubernder Mix aus Historischem und Gegenwärtigem. Es kann nach Termin besichtigt werden, oder man besucht eine der Kunstausstellungen, die die Galeristin hier mehrmals im Jahr veranstaltet. Sonntags findet man sie gern auf dem Antikmarkt in Consell. „Hier habe ich schon tolle Antiquitäten und Skurriles gefunden, etwa Möbel, Stoffe, einen alten Matador-Anzug, Gemälde oder Skulpturen“, erzählt sie. „Danach fahre ich meist nach Santa Maria auf den Markt, um Lebensmittel einzukaufen, und besuche die Stoffmanufaktur Bujosa.“
SIMONE SONDERMANN ist Textchefin der Weltkunst und liebt Mallorca im Herbst
von Olaf Hajek
Das Neuendorf House auf Mallorca ist das erste Haus des britischen Architekten John Pawson. Er hat es 1986 gemeinsam mit Claudio Silvestrin für Hans und Caroline Neuendorf inmitten der Landschaft erbaut. Seine tiefroten, durchpigmentierten Betonwände lassen es wie eine monolithische Festung erscheinen, streng, fast wehrhaft. Im Inneren entfaltet sich eine radikale Reduktion. Licht und Schatten strukturieren die Räume. Präzise gesetzte Öffnungen rahmen Himmel, Erde und Horizont wie lebende Gemälde. Gleichzeitig öffnen sich die klaren Raumfolgen zu großzügigen Wohnbereichen mit Patio, Wasserbecken und weiten Terrassen. Die Formensprache erinnert an die südamerikanische oder mexikanische Moderne. Das Haus ist nicht öffentlich zugänglich, es kann exklusiv gemietet werden.
OLAF HAJEK ist Künstler und lebt in Berlin und Palma. Auf der Art Cologne Palma zeigen Kaplan und Kleindienst seine Werke