Im April freuen wir uns auf Rebecca Horns kinetische Kunst in Wuppertal, das innovative Œuvre von Marisol und zauberhafte Landschaftsgärten im Schloss Neuhardenberg
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01.04.2026
Skulpturenpark Waldfrieden, Wuppertal, bis 30. August
Tief in ihren Skulpturen schlummert der elektrische Lebensfunke. Ausgelöst durch Sensoren, die auf das eintretende Publikum reagieren, überraschen dann die Werke mit unerwarteter Bewegung. Die 2024 verstorbene Bildhauerin Rebecca Horn verstand es wie keine zweite, der kinetischen Kunst eine magische Aura zu geben. Ein über Kopf hängender Konzertflügel erinnert an einen Krebs. Schmale Messingstäbe wiegen sich sanft wie Schilfhalme im Wind. Technik und Poesie verschmelzen. Oft erzeugen die Skulpturen Geräusche oder Töne in der Stille des Ausstellungsraums. Es ist schön, dass Tony Cragg, dessen eigene Skulpturen ja Bewegungen festzuhalten scheinen, hier in seinem Skulpturenpark Waldfrieden einer so gegenteiligen Position Raum gibt. Bis Ende August beweisen in Wuppertal 13 Arbeiten von Horn, wie spielend leicht es ihr gelang, mit Kunst für Glücksgefühle zu sorgen.
Kunsthalle München, bis 4. Oktober
Florentiner Frisur von Botticelli meets Herlinde Koelbls bunten Punk, die Perücke von Gottfried Wilhelm Leibniz trifft auf die langhaarigen Friedensaktivisten Yoko Ono und John Lennon. Und der behaarte Männertorso von Evan Penny ist ebenso verwunderlich wie das Haar von Laetitia Ky, das sich in Boxhandschuhe verwandelt. Wer die Kulturgeschichte einmal aus der Perspektive des Haars betrachtet, wird anders in den Spiegel blicken. „Ob lang, kurz oder rasiert, glatt oder gelockt“, so die Kuratoren, „Haare sind weit mehr als eine Frage des Stils. Sie erzählen von Schönheit und Begehren, von Macht und Ohnmacht, von Anpassung und Rebellion. Als universelle Sprache verhandeln sie seit Jahrtausenden soziale, kulturelle und politische Fragen – und bestimmen, wie Menschen sich selbst sehen und gesehen werden.“ In der originellen Ausstellung „Haar – Macht – Lust“ sind 200 Objekten von der Antike bis zur Gegenwart in der Kunsthalle München zu sehen. Der reich bebilderte Katalog, herausgegeben von Juliane Au und Roger Diederen, erscheint im Hirmer Verlag.
Schloss Neuhardenberg, bis 9. August
Natürlichkeit ist planbar: Die Bäume und Büsche in den Landschaftsgärten des 19. Jahrhunderts wirken wie zufällig gewachsen – tatsächlich waren diese Anlagen das Resultat sorgfältiger Überlegungen. So auch der Park von Schloss Neuhardenberg im östlichen Brandenburg, gestaltet von Hermann Fürst von Pückler-Muskau ab 1821 für seinen Schwiegervater. Zum Schloss gehört heute ein Museum. Bis August widmet sich dort die Ausstellung „Von Gärten, Landschaften und Bildern“ in Theorie und Kunst dem Phänomen des Landschaftsgartens. Zu bewundern sind etwa aquarellierte Ansichten von August Wilhelm Schirmer zu Pückler-Muskaus Ideen. Elemente wie Beete oder Brücken sind darin mit feinem Bleistift nummeriert und erläutert. Aber auch Gemälde von Dora Hitz oder Bruno Krauskopf lassen uns in der Üppigkeit des sprießenden Grüns schwelgen.
Louvre, Paris, 8. April bis 20. Juli
Der Kupferstich war das Instagram des späten Mittelalters: ein Massenmedium, dessen bildgewaltige Werke weite Verbreitung fanden. So wurde der um 1445 / 1450 im elsässischen Colmar geborene Martin Schongauer zu einem frühen hochgeschätzten Starkünstler. Sein Erzengel Michael etwa, der eine Lanze in den drachenhaften Satan rammt, inspirierte Albrecht Dürer ein Jahrzehnt später zu einem sehr ähnlichen Werk. Der Louvre präsentiert in seinem großen Schongauer-Spektakel nicht nur den Grafiker und Zeichner, sondern auch den kraftvollen, farbstarken Maler: Neben dem „Orlier-Altar“ mit einer monumentalen Verkündigungsszene, ausgeliehen vom Musée Unterlinden in Colmar, darf natürlich die „Madonna im Rosenhag“ aus der Dominikanerkirche Colmar nicht fehlen: Seit fünfeinhalb Jahrhunderten erblüht ihre Anmut zwischen leuchtendem Rot und Gold!
Internationale Tage Ingelheim, 26. April bis 5. Juli
Bunt kann jeder. James McNeill Whistler hingegen bewies um 1870, dass Bilder im Stil des Impressionismus auch gerne düster und diesig sein dürfen. In stimmungsvollen Schwarz- und Grautönen fangen seine Grafiken aus London und Venedig die dort schon mythisch gewordenen Nebelschwaden ein. Völlig zurecht konzentriert sich die diesjährige Ausstellung der Internationalen Tage Ingelheim auf diese Werke, die selbst dann noch herrlich melancholisch erscheinen, wenn sie eigentlich sonnige Tage auf dem Markusplatz oder am Themseufer abbilden. Bei seinen Kompositionen war der Amerikaner unter anderem von japanischen Holzschnitten beeinflusst – und im Kunstforum Ingelheim wird er nun durch neue Fotoarbeiten des Japaners Hiroyuki Masuyama flankiert, der in London und Venedig auf Whistlers Spuren wandelte. So schließt sich der narrative Kreis.
Kunsthaus Zürich, 17. April bis 13. August
Wie in einem Wartezimmer sitzen vier Frauen nebeneinander auf einer Couch. Eine scheinbar alltägliche Szene, und doch wirkt sie irritierend fremd. Die aus Holz gefertigten, blockhaften Körper stehen reglos nebeneinander, ihre Gesichter sind teils gemalt, teils als Fotografien eingefügt. Herausgeputzt, fast maskenhaft, mit ausdrucksloser Mimik und aufrechter, starrer Haltung erscheinen die Figuren wie in einem Moment eingefroren, der weder Nähe noch Interaktion zulässt. Trotz des Titels bleibt „La visita“ („Der Besuch“) kühl und distanziert – eher ein gesellschaftliches Ritual als eine lebendige Begegnung. In Kooperation mit dem Louisiana Museum of Modern Art, dem Museum Boijmans Van Beuningen und dem Museum der Moderne Salzburg widmet das Kunsthaus Zürich María Sol Escobar die erste umfassende Retrospektive in Europa. Als eine der eigenwilligsten Künstlerinnen der 1960er-Jahre verband sie Elemente der Popkultur, des Dada und autobiografische Bezüge zu oft humorvollen und zugleich präzise beobachteten Gesellschaftsbildern. Nach ihrem Rückzug aus der Kunst Anfang der Siebzigerjahre geriet Marisol langsam in Vergessenheit. Erst die Aufarbeitung ihres Nachlasses führte zu einer Neubewertung ihres Werks. Ihre radikale Kunst behandelt zentrale Fragen des 20. und 21. Jahrhunderts und wirkt heute erstaunlich aktuell.