Am letzten Tag besuchen wir den Skygarden Seoullo 7017, streifen durch das Studentenviertel Hongdae und bestaunen Arbeiten der koreanischen Installationskünstlerin Lee Bul
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Zum Wachwerden gehen wir auf die Seoullo 7017, eine erhöhte Fußgängerpromenade. Wo einst eine befahrene Hochstraße verlief, lädt heute ein Skygarden mit mehr als 24 000 Pflanzen zum Verweilen ein. Von hier oben kann man das nahe gelegene Seoul Museum of Art (SeMA), unweit des Rathauses, erkennen. Die Fassade im Neorenaissance-Stil gehörte einst zum Obersten Gerichtshof, nun gibt es hier Medien- und Konzeptkunst.
Mit der U-Bahn geht es in 15 Minuten zum Amorepacific Museum of Art – entworfen von David Chipperfield. In dem Glaskubus hat der gleichnamige Kosmetikkonzern, der den weltweiten K-Beauty-Siegeszug mitzuverantworten hat, seinen Sitz. Bis 25. Januar 2026 präsentiert das Haus die erste Ausstellung des US-Künstlers Mark Bradford in Korea. In monumentalen Collagen aus Papier, Leinwand und Kartografie thematisiert er soziale Ungleichheiten in den USA. Um die Ecke trifft man Dooyong Ro mit seiner Galerie Cylinder, der zum Liebling der jungen Kunstszene Seouls geworden ist. Ro, der in London Kunst studiert hat, beweist seit 2020 sein Gespür für neue Talente.
Zum Mittagessen haben wir im Restaurant Lee Buk Bang reserviert, das traditionelle nordkoreanische Gerichte in modernem Ambiente serviert. Koch Ji-hyung Choi, der in Sternerestaurants weltweit gearbeitet hat, bereitet die Gerichte nach den Rezepten seiner Großmutter zu. Direkt vor der Tür liegt der Yeontral-Park, der auf einem stillgelegten Gleisbett angelegt wurde. Er führt uns durch das Studentenviertel Hongdae zum Kunstraum Loop – einem Hotspot für unabhängige, experimentelle Positionen. In der Nähe liegt die Park Seo-bo Foundation, die an das Werk des 2023 verstorbenen Meisters der Dansaekhwa-Bewegung erinnert. Seine monochromen Arbeiten auf Hanjipapier aus Maulbeerrinde gelten als Ausdruck meditativer Disziplin.
Wir nehmen den Bus nach Hannam, der uns direkt vor die Eingangstür der Pace Gallery bringt. In unmittelbarer Nähe betreiben auch andere internationale Galerien wie Esther Schipper und Thaddaeus Ropac ihre Niederlassungen. Auch Meyer Riegger Wolff haben im Herbst 2025 eine Dependance in der Nachbarschaft eröffnet. Das neue Jahr läuten sie mit einer Einzelausstellung der jungen Pariser Malerin Alma Feldhandler ein. All diese Galerien zeigen, dass Seoul als Kunststadt längst global vernetzt ist.
Das Leeum Museum of Art, die erste Adresse für Gegenwartskunst in Seoul, haben wir uns für den krönenden Abschluss aufgehoben. Noch bis 4. Januar 2026 läuft hier die Retrospektive der wohl bedeutendsten koreanischen Installationskünstlerin ihrer Generation, Lee Bul. Sie verwandelt das gesamte Haus in ein Paralleluniversum, das subtil auf die Geschichte Koreas Bezug nimmt: Stahlskulpturen, bestehend aus ehemaligen Wachposten der Demilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea, weisen den Weg in ein Labyrinth aus Spiegeln, Kerzen und Cyborgs. Lee erzählt von Utopien und zerbrochenen Träumen in einer Zeit, in der die Vereinigung der beiden Koreas so fern wie nie zuvor erscheint.
Wer dank Jetlag einen Energieschub spürt, schaut bei Kompakt auf einen letzten Drink vorbei. Gründer und DJ Jinmoo hat in Frankfurt studiert und seiner Bar – in Erinnerung an die Zeit am Main – einen deutschen Namen gegeben. Die Reise endet mit einem Nachtspaziergang auf den Namsan, Seouls Stadtberg, und an den Fuß des Fernsehturms N Tower, von wo aus sich die ganze Stadt überblicken lässt: vom Palast im Norden bis zum Han-Fluss im Süden.