30.06.2017 Christof Habres

Reise durch die Zeiten

Auf den Kunstmessen Art Salzburg und Art & Antique bereichern internationale Galerien mit ihrem exquisiten Angebot die Festspielwochen

Nun ist alles wieder perfekt. Nach den Turbulenzen der Vergangenheit, als die damals vom Wiener Unternehmen art-port organisierte Art Salzburg plötzlich vom sommerlichen Messekalender verschwand, kann die Mozartstadt nun erneut auf festspielwürdige Kunstpräsentationen verweisen – und das gleich im Doppelpack. 

Ein Teil der heimatlos gewordenen Galerien haben unter dem Dach der Kunstmesse Art & Antique ein Zuhause gefunden. Das professionelle Team um Leiterin Alexan­dra Graski-Hoffmann von MAC-Hoffmann hat es innerhalb weniger Jahre geschafft, eine kleine, feine Boutiquemesse in einem klimatisierten Zelt im Residenzhof zu etablieren. Die zehn Aussteller aus Deutschland und Österreich werden vom 12. bis 20. August Sammlern und Festspielbesuchern ein vielfältiges Repertoire von antiken Werken bis zur zeitgenössischen Malerei anbieten. 

Ein etwas anderes Konzept fährt der Kunstsalon Art Salzburg vom 5. bis 27. August. Rund um die Salzburger Galerie von Thomas Salis haben sich sechs renommierte Galerien und Kunsthändler zusammengefunden, um eine kuratierte Verkaufsausstellung im einstigen Gartensaal der fürsterzbischöflichen Residenz zu initiieren. Die Teilnehmer verzichten bewusst auf eine Präsentation der Kunstwerke in herkömmlichen Messeständen. Stattdessen versuchen sie, aus den Angeboten der einzelnen Teilnehmer eine spannende, abwechslungsreiche Zusammenschau unter den Renaissance­fresken der Sala Terrena zu realisieren. Jüngste Auftritte als Galeriengruppe, wie bei der österlichen Art & Antique vor ein paar Monaten, beweisen eindrucksvoll, dass das Experiment erfolgreich ist – sowohl in der künstlerischen Komposition charakteristischer Spitzenwerke aus dem Programm der Galerien als auch mit dem Verkaufserfolg beim Sammlerpublikum. Vergangenes Jahr wurde der Kunstsalon noch um einen Skulpturengarten im angrenzenden Hof Dietrichsruh erweitert. Hier werden monumentale Arbeiten des 19. und 20. Jahrhunderts neben aktueller Kunst angeboten: Beides stellt einen ebenso interessanten wie stimmigen Kontrapunkt zur historischen Architektur dar. Unter anderem werden heuer Werke von Otto Boll, Karl Prantl, Manolo Valdés und Franz West zu sehen sein.

Ein erster Blick in die Angebotspalette des Kunstsalons mit den Wiener Galerien Johan­nes Faber, Konzett, Ruberl und Wiener­roither & Kohlbacher sowie Beck & Eggeling (Düsseldorf, Wien) und Thomas Salis (Salzburg) verspricht hohe und vielfältige Qualität. Bei Johannes Faber sticht ein Gelatin-Silver-Print von August Sander mit zwei Boxern aus dem Jahr 1928 ins Auge (6300 Euro). Außerdem bringt der Experte für Fotografie auch Arbeiten von Dennis Hopper, Germaine Krull und Edward Weston in die Sala Terrana mit. Beck & Eggeling richten ihr Augenmerk auf Repräsentanten der Künstlergruppe Zero, die in den vergangenen Jahren wieder ein starkes Sammlerinteresse verzeichnen kann, und werden Arbeiten von Otto Piene und Heinz Mack zeigen. Daneben zieht Picas­sos Lithografie „Jacqueline lisant“­ aus dem Jahr 1958 – ebenfalls im Programm von Beck & Eggeling – den Betrachter unverzüglich in ihren Bann (68.000 Euro).

Die Galerie Ruberl hat sich neben der klassischen Moderne auf die österreichische Avantgarde nach 1945 spezialisiert und überrascht ihr Publikum immer wieder mit frühen Werken von Oskar Kokoschka oder atmosphärisch dichten Übermalungen von Arnulf Rainer. Thomas Salis wiederum legt seinen Schwerpunkt auf namhafte internationale Künstler wie Marc Chagall, Joan Miró oder ebenfalls Pablo Picasso. Ein besonderes Schmuckstück wird bei Wienerroither & Kohlbacher im Kunstsalon zu bewundern sein: Die bemerkenswerte Leinwand „Rosa Wolke II“ von Lyonel Feininger aus dem Jahr 1928 überzeugt durch dezent flächige Farbgebung und Komposition.

Die Figur des heiligen Georg, 14. Jahrhundert, zeigt der Kunsthandel Runge diesmal in seiner Koje auf der Art & Antique (Abb.: Art & Antique)
Die Figur des heiligen Georg, 14. Jahrhundert, zeigt der Kunsthandel Runge diesmal in seiner Koje auf der Art & Antique (Abb.: Art & Antique)

Auf außergewöhnliche Qualität setzt auch die sommerliche Art & Antique im Residenzhof. Das Angebot der zehn Galerien reicht von antiken Vasen aus Apulien bis zur zeitgenössischen Kunst aus China. Christoph Bacher Archäologie Ancient Art aus Wien sorgte in den vergangenen Jahren immer wieder mit seinen Entdeckungen für Furore. Auch diesmal hat er Beachtliches im Repertoire: So die opulente, rotfigurige Vase mit Masken-Appliken aus Apulien (330 bis 320 v. Chr.) für 22.000 Euro oder ein hervorragend gearbeitetes Kalksteinrelief mit Sis­trumspielerin im Profil aus Memphis (frühe 19. Dynastie, um 1290 v. Chr.) für 48.000 Euro. Etwas später datieren die beiden Heiligen im Angebot des Kunsthandels Runge: Die Statuetten aus Lindenholz der heiligen Agnes (Donauschule aus dem 15. Jahrhundert) und des heiligen Georg aus dem 14. Jahrhundert überzeugen durch die überaus feine Schnitzarbeit. Die Arbeit „Karawane“ von Alphons Leopold Mielich macht dank ihrer male­rischen Komposition die Hitze der Wüste gerade­zu spürbar und besticht durch den drama­turgischen Einsatz figurativer wie abstrakter Malerei.

Zwei anmutige Arbeiten haben Kolhammer & Mahringer Fine Arts im Programm. Sowohl Max Ernsts „Dompteuse mit vier Füchsen“ von 1910 als auch die Lithografie „Drei Badende“ von Otto Müller aus dem Jahr 1928 beziehen ihren Reiz aus der feinen, grafischen Ausarbeitung. Eine Überraschung ist sicherlich die eindringliche Arbeit „Cabeza Morada“ (Öl und Lehm auf grober Leinwand) des mexikanischen Künstlers Rufi­no Tamayo von 1983: Werke des Künstlers, der einst zu den führenden und prägenden Köpfen seines Landes zählte, werden in Europa selten zum Verkauf angeboten.

Wunderbares Geschmeide bietet Pintar Schmuck dem Festspielpublikum an. Da finden sich nicht nur Armbänder wie jenes New Yorker Goldarmband mit Blüten, in deren Mitte jeweils ein Diamant platziert ist (1970er-Jahre, Schmuckmanufaktur Hammerman Brothers), sondern auch ein Paar goldene Blütenohrringe aus dem Hause Tiffany, die von Angela Cummings entworfen wurden. Die eleganten Ohrringe, die mit Opalen verziert sind und in unterschiedlichen Blautönen schillern, würden sicherlich nicht nur Holly Golightly zieren. Zur sommerlichen Stimmung in der Festspielstadt passt das farbintensive Ölgemälde „Stillleben mit Mohn“ von Gabriele Münter aus dem Jahr 1950 ebenfalls hervorragend. Zu finden ist das Blumenarrangement bei der Galerie Francaise aus München.

Der Wiener Kunsthändler Josef Schütz wagt erneut den Spagat zwischen Meisterwerken der österreichischen Kunstgeschichte – vom 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts – und zeitgenössischer Kunst aus China. Für die heimische Fraktion wird er die imposante Arbeit „Bauer am Heimweg“ von Alfons­ Walde aus dem Jahr 1924 mit nach Salzburg nehmen. Für sein Chinese Department stellt er schließlich die junge Künstlerin Li Hua in den Vordergrund. Die pastosen, kräftigen Arbeiten der Künstlerin stießen in den vergangenen Jahren auf reges Interesse und sind, wie der Kunsthändler unterstreicht, sehr gefragt. Eine Tatsache, die dazu geführt hat, dass sich der Preis für die Leinwände der Künstlerin seit 2015 mehr als verdoppelt hat und nun bei 13.000 Euro für ein Mittelformat liegt. Die beiden sommerlichen Kunstplattformen fügen sich aufgrund der gebotenen und vielfältigen Qualität ausgezeichnet in das exklusive Festspielangebot und bereichern die Programmatik der Mozartstadt.

Service

Messen

Kunstsalon Art Salzburg
Sala Terrena
5. bis 27. August

Art & Antique
Residenzhof Salzburg
12. bis 20. August