Das Iwalewahaus der Universität Bayreuth zeigt das Werk von Ruth Baumgarte gemeinsam mit moderner und zeitgenössischer Kunst aus Afrika
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27.07.2026
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Erschienen in
Weltkunst Nr. 257
Diese Ausstellung erzählt vom Aufbrechen und von Migration – der Ideen, der Motive, Stimmungen. Im Iwalewahaus der Universität Bayreuth stehen rund 50 Arbeiten der Malerin Ruth Baumgarte ungefähr ebenso vielen Werken von Künstlerinnen und Künstlern aus afrikanischen Ländern gegenüber. Darunter befinden sich internationale Größen der zeitgenössischen Kunst, etwa der Kongolese Chéri Samba, sein zwanzig Jahre jüngerer Landsmann Mulala Landry oder Mbongeni Buthelezi aus Südafrika. Aber auch Pioniere wie Antoinette Lubaki, Djilatendo oder Asiru Olatunde, ein Vertreter der nigerianischen Moderne.
Ruth Baumgarte, 1923 in Coburg geboren, aufgewachsen in Berlin und nach dem Zweiten Weltkrieg überwiegend in Bielefeld ansässig, bereiste 1957 zum ersten Mal den afrikanischen Kontinent: Sie besuchte Ägypten und Südafrika. Ab 1980 nahm sie dann, oft für mehrere Monate, die Reisen nach Afrika wieder auf. 1993 präsentierte sie erstmals Bilder des „Afrika-Zyklus“, der sie bekannt machen sollte.
Die farbsatten Darstellungen im Spannungsfeld zwischen Realismus und Abstraktion zeigen nicht das Leben in den Metropolen. Baumgartes Bilder, an Ort und Stelle mit Skizzen vorbereitet und dann in ihrem Atelier in Deutschland vollendet, wirken oft wie Traumsequenzen. Oder wie Erinnerungen an ein „ursprüngliches“ Afrika, in dem Mythen und Spiritualität den Alltag überlagern. Man sieht Tänzer in Trance, viele nackte Oberkörper. Die Bildräume sind vage definiert, die Kompositionen in unterschiedliche Ebenen zersplittert, als wollte die Künstlerin damit der komplexen Wirklichkeit in den Ländern des Kontinents Herr werden. In der überbordenden Farbigkeit von grellem Grün, Rot- und Gelbtönen sind ihre Arbeiten ganz ähnlich denen des Nigerianers Jimoh Buraimoh. Im Iwalewahaus ist sein Werk „Untitled (Horseman)“ von 1995 zu sehen, und auch hier verschränken sich reale und surreale Details, ringen figürliche Elemente mit Symbolen und Chiffren um die Deutungshoheit im Bild.
Kraftvoll und einprägsam wie Baumgartes „Afrika-Zyklus“, aber kühler, analytischer sind die Bilder von Chéri Samba, dem 69-Jährigen kongolesischen Malerstar. Von ihm hat die großformatige Arbeit „Le Départ des Blancs et l’Arrivée des Jaunes en Afrique“ den Weg nach Bayreuth gefunden – ein beißender Kommentar zu den unablässigen Versuchen der Kolonialisierung, denen die meisten Länder Afrikas ausgesetzt sind.
Beschwingt erscheinen die federleichten Aquarelle des frühen kongolesischen Modernisten Djilatendo, etwa das farblich delikate Blatt „Untitled (Der Arzt)“, das wie alle ausgestellten Werke afrikanischer Kunst zur Sammlung des Iwalewahauses gehört. Klaustrophob und dezidiert düster ist dagegen das Bild „To the Clandestine Maternity Home“ („Ins geheime Entbindungshaus“) von Malangatana Valente Ngwenya. Körper dicht an dicht, offene Bauchhöhlen mit Föten darin, verängstigte Blicke: Malangatana malte diese dystopische Vision im Stil der Art brut 1961, da war er 25 Jahre – sie hat bis heute nichts an Wucht und Eindringlichkeit eingebüßt.
Bemerkenswert ist auch der Ort der Schau. In Bayreuth widmet sich das an die Universität angeschlossene Forschungszentrum der zeitgenössischen Kunst aus Ländern Afrikas und ihrer Diaspora. Die Sammlung des Hauses ist die umfangreichste in Europa. Ruth Baumgarte und ihre künstlerischen Reisen, Chéri Samba und ein Vorreiter wie Djilatendo, so findet hier glücklich das eine zum anderen.
„Ayeye! Ruth Baumgarte im Iwalewahaus“,
Iwalewahaus, Bayreuth,
bis 18. September