Italien übte auch noch gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine große Anziehungskraft auf Künstler*innen aus ganz Europa aus. Kunstschätze von der Antike bis zum Barock, eindrucksvolle Landschaften, das Licht des Südens und das einfache, ursprüngliche Leben der Bevölkerung bildeten einen Gegenpol zur fortschreitenden Industrialisierung und zu den politischen Spannungen nördlich der Alpen. Die Ausstellung „Sehnsucht nach dem Süden“ vereint Gemälde, Zeichnungen und Plastiken deutschsprachiger Künstler, die zwischen 1865 und 1915 in Italien lebten und arbeiteten. Ihre Werke reichen von Darstellungen antiker Ideale bis hin zu Landschaften und Stadtszenen zwischen Venedig, Rom und Neapel. Diese zeugen – auch bei nur kurzen Aufenthalten im Land – von einer tiefen Faszination für Land und Leute. Rund 40 Exponate aus einer deutschen Privatsammlung verdeutlichen die thematische und stilistische Vielfalt dieses faszinierenden Schaffens einer Künstlergeneration in Italien um 1900. Ihre Arbeiten verbinden akademische Traditionen mit innovativen Bildwelten und stehen bis heute für eine ungebrochene Sehnsucht nach zeitloser Schönheit. Zu sehen sind Arbeiten von Oswald Achenbach, Karl Böhme, Othmar Brioschi, August Gaul und Otto Greiner, von Adolf Hirémy-Hirschl, Max Klinger, Frederic Leighton und Sigmund Lipinsky, Adolph von Menzel und Paul Meyerheim, Ludwig Passini, Hermann Prell sowie Anton von Werner.
Sigmund Lipinsky: „Die Hesperiden“, 1907, Tempera auf Leinwand, 122 x 89 cm, Privatsammlung, Süddeutschland; Foto: Walter Bayer, München