Eine jahrhundertealte Büste in Rom könnte Michelangelo zugeschrieben werden. Forscherin Salerno stützt sich auf Dokumente, Briefe und Inventare – eine endgültige Bestätigung steht noch aus
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04.03.2026
Eine seit Jahrhunderten in einer Kirche in Rom ausgestellte Büste, die bisher als anonym galt, könnte nun dem Renaissance-Künstler Michelangelo (1475-1564) zugeschrieben werden. Die Kunsthistorikerin Valentina Salerno stellte ihre Untersuchungen zu der Büste „Cristo Salvator“ in der Basilika Sant’Agnese fuori le mura im Nordosten der italienischen Hauptstadt vor.
Bisher war die Büste als „Skulptur eines unbekannten Künstlers der römischen Schule des 16. Jahrhunderts“ katalogisiert. Salerno spricht nach mehr als zehnjähriger Recherche nun von einer durch Dokumente belegten Verbindung zwischen der Büste und dem Nachlass Michelangelos. Sie stützt sich dabei auf Testamente, Briefe, Tagebücher, historische Reiseberichte, Inventare und Akten.
Sollte sich die Zuschreibung bestätigen, würde dies das bislang bekannte Spätwerk des Künstlers erweitern. Zugleich könnte es das überlieferte Bild infrage stellen, wonach Michelangelo vor seinem Tod viele Arbeiten zerstört habe – eine Darstellung, die auf den Biografen Giorgio Vasari zurückgeht.
Die Basilika unterstützte nach eigenen Angaben die Recherchen. Eine endgültige Bestätigung der Zuschreibung steht jedoch noch aus. In der Kunstgeschichte gelten Neuzuschreibungen an Michelangelo als besonders sensibel und werden in der Regel erst nach eingehender Prüfung durch die Fachwelt anerkannt. Salernos Untersuchungen sollen dazu ihren Beitrag leisten. (dpa)