Zeitgenössische Kunst trifft auf Baudenkmäler

Heute fahren wir mit der Straßenbahn ein paar Stationen zum Muzeum Współczesne Wrocław (MWW), dem Museum für zeitgenössische Kunst, das in einem ehemaligen Hochbunker untergebracht ist. Außen am Gebäude prangt konkrete Poesie von Stanislaw DróŻdŻ, drinnen erwartet einen auf sechs Etagen hochkarätige polnische und internationale Gegenwartskunst. Spektakulär ist der Blick vom Museumscafé auf dem Dach des Bunkers mit seiner großen Terrasse.
Zurück in der Altstadt werfen wir auf dem Rynek, dem Marktplatz, einen Blick auf und in das schöne Rathaus mit seiner spätgotischen Fassade. Am Rynek befindet sich seit diesem Jahr auch das Pan-Tadeusz-Museum. Ausgehend vom ­Originalmanuskript des polnischen Nationalepos von Adam Mickiewicz aus dem Jahr 1834 bereitet es die Freiheitsbewegungen der Polen und ihre vielen tragischen Rückschläge seit dem 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart multimedial und sehr differenziert auf.

Die Aula Leopoldina der Universität ist einer der bedeutendsten profanen Barockbauten Europas (Foto: Peter Hirth/laif)
Die Aula Leopoldina der Universität ist einer der bedeutendsten profanen Barockbauten Europas (Foto: Peter Hirth/laif)

Von den vielen Kirchen in der Altstadt besuchen wir nur die Elisabeth­kirche aus dem 16. Jahrhundert, die über Jahrhunderte die evangelische Hauptkirche Breslaus war. Seit 1946 ist sie katholische Garnisonskirche mit vielen Zeugnissen polnischer Wehrhaftigkeit und polnischen Leids: vom Denkmal für die Widerstandskämpfer in der Nazizeit über die Opfer des Massakers von Katyn, das von der Sowjetarmee 1940 verübt wurde, bis zur obligatorischen Gedenktafel für die Opfer des Flugzeugabsturzes bei Smolensk, bei dem 2010 unter anderem der Staatspräsident Kaczyński ums Leben kam.
Gleich gegenüber der Elisabethkirche liegt die urige 24-Stun­den-Kneipe Przedwojenna, wo Einheitspreise gelten: Getränke 4 Zloty, Speisen 8 Zloty. Gestärkt geht es weiter zur Universität, und wir betreten baugeschichtlich das Reich der Habsburger. Die Aula Leopoldina ist einer der bedeutendsten profanen Barockbauten Europas, und auch sonst hat der gegenreformatorische Geist der Jesuiten hier üppig-schöne Baudenkmäler hinterlassen. Die Liste der Geistesgrößen, die an der Universität Breslau studierten und lehrten, ist schier endlos, von Ferdinand Lassalle bis Edith Stein, vom Physik-Nobelpreisträger Max Born bis zum Dichter Hoffmann von Fallersleben.

"Dynamus" des Kollektivs Little Warsaw im Muzeum Współczesne Wrocław (Foto: Muzeum Współczesne Wrocław)

Zum Ende des Tages spazieren wir zur Dominsel, die wir über eine der zahlreichen Brücken der Stadt, die Dombrücke (most Tumski), betreten. Die Dominsel, auch Breslaus Vatikan genannt, ist eigentlich gar keine Insel mehr, denn die Preußen ließen Anfang des 19. Jahrhunderts Teile der sie umfließenden Oder zuschütten. Bis heute gilt der Blick vom Fluss auf die beiden spitzen Türme der Kathedrale, die im Krieg stark zerstört und wiederaufgebaut wurde, als Inbegriff der Schönheit Breslaus. Wir streifen durch die Gassen entlang von Priesterseminaren, schauen bei den Devotionalienhändlern ­vorbei, besichtigen die gotische Kathedrale St. Johannes der Täufer und staunen über ein Hotel, das nach Papst Johannes Paul II. benannt wurde. Und wer mag, macht von der be­nach­barten Sandinsel aus eine abendliche Oder-Schifffahrt.

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