Gegensätze

Der heutige Tag steht im Zeichen der Gegensätze – was nicht nur die Kunst betrifft, sondern auch die urbanen Atmosphären. Von der Akademie der Künste geht es ins Arbeiterviertel Favoriten.

In der Ankerbrot-Fabrik haben sich immer mehr Kulturinstitutionen angesiedelt (Foto: Brotfabrik)

Zunächst besucht man die Akademie der bildenden Künste, genauer gesagt deren Gemäldegalerie, am Schillerplatz. Dort verbirgt sich nämlich nicht nur das berühmte Weltgerichtstriptychon von Hieronymus Bosch, sondern eine Reihe anderer hochkarätiger Gemälde, etwa Rubens’ »Boreas entführt Oreithya«, ein fantastischer später Tizian (»Tarquinius und Lucretia«) sowie zahlreiche niederländische Stillleben – und natürlich die packenden Vulkanbilder des Michael Wutky, dem aktuell eine Sonderausstellung gewidmet ist.
Jetzt, nach eineinhalb Tagen, streifen wir tatsächlich ein wenig in die Ferne. Wir steigen in die U1 und fahren zum Reumannplatz, direkt ins Herz des Arbeiterviertels Favoriten. Hier geht es etwas lässiger zu, man hört türkisch-serbisch-arabisches Sprachgemisch, und die Mieten sind günstig – Gemeindebau statt Prachtboulevard.
Das ist auch für die Kunst attraktiv: Ein paar Straßenbahnstationen (Nummer 6) entfernt liegt die Brotfabrik, wo sich in den vergangenen Jahren immer mehr Kunstinstitutionen angesiedelt haben. Nicht nur die beiden großzügigen Räume der Galerie Hilger haben hier ihren Sitz, sondern auch kleinere Spaces wie etwa jener des Sammlers Michael Sellemond. Darüber hinaus liegt hier ein heimliches Fotozentrum Wiens, mit der Anzenberger Gallery, der Photon Gallery sowie dem Ostlicht. Dort gewinnt man aktuell Einblicke in die Wiener Kunstszene der 1970er-Jahre, die von der Wienerin Cora Pongracz fotografisch dokumentiert wurde. In Magdas Kantine, einem erst kürzlich eröffneten Lokal, das von der Caritas betrieben wird, kann man einen späten Lunch zu sich nehmen.
Nun geht es zurück in die Stadt. Wir verlassen die U1 dieses Mal schon in der Taubstummengasse nahe der Schleifmühlgasse, um einen Galerienspaziergang zu starten: Georg Kargl, Christine König, Kerstin Engholm, Gabriele Senn und Andreas Huber haben hier ihre Läden, daneben gibt es glamouröse Geschäfte, vom Vintage-Möbel-Shop (Rauminhalt) bis zur Designer-Secondhand-boutique (Flo Vintage). Hier lässt sich ein Nachmittag verbummeln. Den überfüllten Naschmarkt nebenan sollte man am besten nur queren, umabends zum On Market zu gelangen, ein asiatisches Restaurant, in dem man sich auch als alteingesessene Wienerin ein wenig kosmopolitisch fühlt. Wem nach Tofu-Kürbis-Curry oder Zhajiang-Nudeln nach einem ordentlichen Cocktail ist, hat es nicht weit in die kürzlich eröffnete Miranda-Bar: Den Tag mit einem Drink (Empfehlung: Queen Mum) am polierten Tresen aus brasilianischem Granit abzuschließen ist nicht die übelste Idee.

Weiter zum 3. Tag