12.04.2017 Christiane Meixner

Christoph Niemanns Kunstgeschichte

Das Cover der neuen WELTKUNST hat Christoph Niemann gestaltet – auf nach Berlin!

Berlin bei Nacht: Die Schienen der Tram und die Markierungen der vielspurigen Straßen, die sich an der Kreuzung treffen, ergeben ein aufwühlendes, abstraktes Bild. Im Hintergrund ist die Silhouette des Fernsehturms zu erahnen. Als Lichtpunkte durchziehen Autoscheinwerfer und die erleuchtete Straßenbahn die Komposition. Wohin fahren sie? Alles ist möglich in der Großstadt, wenn man weiß, wohin man will.

Christoph Niemann, Weltkunst Berlin 2017
Christoph Niemann, Weltkunst Berlin 2017

Wo die Torstraße beginnt 

Für unser Cover hat Christoph Niemann den Blick von der Ecke Torstraße und Prenzlauer Allee eingefangen, von einem Gebäude aus, das eine Geschichte hat, wie sie nur in Berlin möglich ist. In den Zwanzigerjahren als Kaufhaus gebaut, saß später dort die Führung der Hitlerjugend und zu DDR-Zeiten das Institut für Marxismus-Leninismus mit dem SED-Parteiarchiv. 2010 hat der denkmalgeschützte Bau als Soho House geöffnet, ein privater Club mit Hotel.

Cover-Künstler

Christoph Niemann, der viele Jahre in New York gearbeitet hat und in Berlin lebt, hat schon viele Cover für den New Yorker, das ZEITmagazin und – worüber wir uns sehr freuen – auch mittlerweile zehn für die Weltkunst geschaffen, oft in Anlehnung an Werke der Kunstgeschichte, die ihm besonders viel bedeuten. Wenn man den allerersten Auftrag an ihn mitrechnet, der dann nicht gedruckt wurde, sind es sogar elf Cover. Warum es zu diesem ersten Cover nicht kam? Er verlegte eine expressionistische Straßenszene von Ernst Ludwig Kirchner an den neuen Berliner Flughafen, doch dann wurde die Eröffnung verschoben. (Das war 2012, und der Flughafen hat immer noch nicht eröffnet.) 

Ein Film, ein Buch, und viele Ausstellungen

In diesem Jahr wird Niemann besonders gefeiert: Auf Netflix läuft eine ganze Episode der Dokumentarfilmserie »Abstract« über ihn, und er hat Einzelausstellungen in Paris, Basel, in seinem Geburtsort Waiblingen und New York. Ab Juni hat er eine Ausstellung mit Nicholas Blechman im Metropolitan Museum, und Ende September wird er in der School of Visual Arts in New York für sein Lebenswerk geehrt, was ebenfalls mit einer Schau verbunden ist: »The Masters Series: Christoph Niemann«. Aber auch online kann man in den Genuss seiner Bilder kommen: Auf Instagram folgen ihm mittlerweile mehr als 400 000 Fans. Und wer es lieber analog mag, dem sei das Buch »Souvenir« mit Zeichnungen seiner Reisen um die Welt ans Herz gelegt, das im Mai bei Diogenes erscheint – auch Berlin ist mit dabei.

Service

Ausstellungen:

Christoph Niemann, Colette, Paris, bis 6. Mai 

Christoph Niemann- That’s How! Cartoonmuseum Basel, 6. Mai -29. Oktober

Nicholas Blechman – Christoph Niemann, Metropolitan Museum of Art, New York, 27. Juni-17. Dezember 

Niemanns Welt. Modern Times, Städtische Galerie Stihl, Waiblingen, 23. September -7. Januar

Christoph Niemann: The Masters Series, School of Visual Arts, New York, 30. September-4. November

Das aktuelle Berlin-Heft

WELTKUNST Nr. 128/2017