Seit März 2024 setzt Mohamed Almusibli als Direktor Impulse an Basels wichtigstem Ort für junge Kunst. Im Gespräch erzählt er von seinem Ausstellungsprogramm und warum ihm Neugier und Offenheit so wichtig sind
Von
12.06.2025
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Erschienen in
Weltkunst Nr. 242
Sehr beglückend, aber auch sehr aufregend. Sich interessante Ausstellungen zu überlegen, ist die eine Sache, aber der Job verlangt erheblich mehr. Er beinhaltet unterschiedliche Rollen. Es geht darum, diese Rollen zu erfüllen und zugleich die eigene Vision voranzutreiben. Das ist ein langer Weg, und ich stehe erst am Anfang.
In meinem ersten Jahr habe ich vor allem das von Elena geplante Programm zu Ende gebracht. Es fühlte sich vertraut an, denn mit einigen Künstlerinnen und Künstlern, die sie ausgewählt hatte, hatte ich schon gearbeitet oder ich bin mit ihnen befreundet. Mein Programm wird anders sein, weil ich meine eigene Affinität, mein eigenes Gespür einbringe, aber ich bewundere die Arbeit, die sie für die Kunsthalle geleistet hat.
Wir haben uns 2017 kennengelernt und uns viel über ihre Arbeit ausgetauscht. Ich habe dann eine Galerieausstellung mit ihr in Genf kuratiert, das war ihre erste Einzelausstellung. Wir sind gute Freunde geworden, haben unser Studium gemeinsam beendet und dann zusammen den Kunstraum Cherish in Genf eröffnet.
Es ist zum einen ihre Art zu malen. Und dann geht es in ihren Performances, ihren skulpturalen Arbeiten und auch in ihren Gemälden um die Darstellung des Körpers. Sie stellt den Körper ins Zentrum, ihren eigenen, den ihrer Freunde, aber beschäftigt sich auch mit der Frage, wie Technologien, wie künstliche Intelligenz den Körper sehen. Sie erforscht dieses Thema in verschiedenen künstlerischen Medien. Dabei geht es nicht um Identitätspolitik, sondern um die Funktion des Körpers, der ein Gemälde oder eine Skulptur schafft, der sich in einer Performance bewegt.
Die erste Ausstellung, die ich hier kuratiert habe, war zu Marie Matusz, die in Basel arbeitet. Mit ihr hatte ich schon häufiger zusammengearbeitet, wir kennen uns sehr lange. Deshalb hat es sich richtig angefühlt, mein Programm hier mit ihr zu beginnen. Der Grund war nicht, dass sie in Basel lebt. Es geht um die Personen und ihre Arbeit und weniger um die Schubladen: Wo lebt jemand, wo kommt jemand her?
Viele Künstlerinnen und Künstler, die heute ein wichtiger Teil der Kunstgeschichte sind, hatten ihre ersten Ausstellungen in der Kunsthalle Basel. Es ist unser Ziel, dies fortzuführen. Nicht nur bereits etablierte Kunstschaffende zu unterstützen, sondern Risiken einzugehen, um jungen Künstlerinnen und Künstlern die Chance zu geben, die großen Künstler der Zukunft zu werden.
Die geniale Initiative der Basler Künstlergesellschaft, 1854 die erste Rheinfähre in Basel in Betrieb zu nehmen, veränderte nicht nur signifikant das Stadtbild, es finanzierte auch den Bau eines eigenen Ausstellungshauses. Seit der Grundsteinlegung 1869 ist die Kunsthalle Basel ein Eckpfeiler der Basler Kunstszene. Die älteste Kunsthalle der Schweiz baute ihre Vorreiterrolle als Wirkungsstätte früh aus und stellte junge, lokale und internationale gewagte Kunst aus. Nicht ohne Stolz blickt der Basler Kunstverein auf eine lange Reihe von zukunftsweisenden Ausstellungen zurück. Gegründet durch lokale Künstlerinnen und Künstler, unterstützt der Basler Kunstverein bis heute die Mission der Kunsthalle Basel und treibt sie voran.
Basel ist keine große Stadt, aber hat gemessen an ihrer Größe sehr viele Museen. Es ist Teil der DNA der Menschen hier, ins Museum zu gehen und Kunst zu lieben. Weil Basel an der Grenze von drei Ländern liegt, entsteht eine sehr internationale Atmosphäre. Auch die Kunsthochschule zieht viele internationale Studierende an. Und es gibt eine lebendige Szene neuer Projekträume, die die Kunstlandschaft in Bewegung hält.
Vielleicht habe ich dadurch eine größere Neugier und Offenheit gegenüber Kunst aus anderen Ländern und Kontinenten. Ich lege Wert darauf, dass wir Arbeiten und künstlerische Praktiken aus der ganzen Welt zeigen. Dieses Jahr machen wir etwa eine Schau mit Bagus Pandega, der mit Maschinen und Pflanzen arbeitet. Ich konnte ihn in der indonesischen Stadt Bandung besuchen. Sein Studio und die Stadt zu erleben, die von Bergen und üppiger Natur umgeben ist, war hochinteressant. Ich möchte auch Basler Kunstschaffende an andere Orte bringen und so den Austausch fördern.
Dass diese Institution ein echter und offener Gastgeber für alle wird. Ich habe noch nicht alle Antworten, wie genau das gelingen kann, aber bin überzeugt, dass es damit beginnt, ein guter Gastgeber für uns selbst, die Kunstschaffenden und die Community in Basel zu sein. Darauf möchte ich aufbauen.