09.03.2016 Heidi Bürklin

Moderne für Millionen

Christie’s am 2. Februar und Sotheby’s am 3. Februar warten in London mit Impressionismus und Moderne auf. Die Schätzungen bewegen sich bis in den zweistelligen Millionenbereich. 

 

Sie beide liebten Musik: Henri Matisse, der Maler, und die jun­ge Ballerina Henriette Darri­carrere. Sie war eine exzellente Geigerin, hier aber platziert sie der Künstler in seinem Studio kerzengerade ans Klavier. Hin­ter ihr steht ihr Bruder Paul, der kleinere Jean versteckt sich, tief in einen Sessel vergraben, hin­ter einem roten Buch. Und mit welchem Gusto spielt Matisse hier Farben und Muster aus: mit der großblumigen roten Tapete, den schwarz­weißen Streifen der Bubenkittel, dem Karo im Sessel, dem blauen Kleid von Henriette, seiner begabtesten Muse in den Nizzajahren von 1920 bis 1927. Diese Szene von 1923, die frühere Motive mit sei­nen eigenen Kindern spiegelt, wird jetzt bei Sotheby’s auf 12 bis 18 Mio. Pfund taxiert. Bei Christie’s setzt man auf die Zugkraft und die Markt­ frische von Cézannes »Ferme en Normandie« von 1882 (Taxe 4,5 bis 6,5 Mio. Pfund). Der Maler schildert hier einen licht­flimmernden Blick durch fri­sches Grün auf den Landsitz von Victor Chocquet, seinem damals wichtigsten Mäzen.

Als sein großformatigstes Staffe­ leigemälde überhaupt wird Juan Gris’ melancholischer »Pierrot mit Gitarre« von 1929 angeprie­ sen. Das beliebte Motiv des Spa­ niers ist nun auf 800 000 bis 1,2 Mio. Pfund geschätzt. Zwei Jah­ re früher malte Max Beckmann, damals auf dem Höhepunkt seines Ruhms, ein Rosenstill­ leben, das jetzt zu 500 000 bis 800 000 Pfund erblühen soll.

 

 

Christie’s, New York (Auktion: 2. Februar 2016)

Sotheby’s, New York (Auktion: 3. Februar 2016)