ONLINE | Wege zur Kunst im Internet
Im Dschungel der Preise
von Stefan Kobel
DATENBANKEN MIT GESCHÜTZTEN ZUGRIFFEN
Artnet
Die wohl bekannteste Kunstpreisdatenbank dürfte wohl Artnet sein. Sie war auch die erste, die die entsprechenden Abbildungen dazu lieferte. Für Profis führt im Bereich der bildenden Kunst praktisch kein Weg an dem deutsch-amerikanischen Unternehmen vorbei. Das gilt neuerdings auch für Design, allerdings nur für namentlich bekannte Künstler. Kunsthandwerk, Möbel und gar nicht zugeschriebene Gemälde sind nicht enthalten. Aus über 500 Auktionshäusern wurden teilweise seit 1985 bisher rund 3,6 Mio. Datensätze von 180 000 Künstlern eingesammelt. Die Bedienung der Datenbank ist einfach: Zunächst muss zwingend ein Künstlername eingegeben werden. Eine Volltextsuche ist nicht möglich. Danach sind vielfältige Möglichkeiten der Sortierung und Einschränkung der Suchergebnisse möglich, etwa nach Sparten oder Entstehungsjahren. Die Ausgabe von jeweils bis zu 100 Kunstwerken pro Seite verschafft sofort einen Überblick. Ärgerlich ist allerdings, dass die folgenden Seiten jeweils als eigene Suche berechnet werden. Da der Service ohnehin zu den teuersten zählt, geht das schnell ins Geld. Die erstklassige Leistung will eben auch erstklassig bezahlt werden. Seit einiger Zeit gibt es als eine Art Schnupperabo die Recherche ohne Abbildungen zum Kampfpreis von 99 Dollar pro Jahr. Ein Tageszugang mit Abbildungen und einer unbeschränkten Anzahl von Suchvorgängen ist für 14,95 Dollar zu haben. Zusätzliche Services wie Marktreports zu einzelnen Künstlern werden gesondert berechnet.
www.artnet.de/net/Services/PriceDatabase.aspx
Artprice
Der große Konkurrent von Artnet ist Artprice aus Frankreich. Die mehrsprachige Suchseite beginnt ebenfalls mit der Künstlersuche. Danach muss eine Technik ausgewählt werden, erst dann kann über einige Felder weiter eingeschränkt werden. Die Ergebnisse werden in einer Liste angezeigt, in der bereits Werktitel, Datierung und Maße der Kunstwerke aufgelistet werden. Erst in einem weiteren Schritt geht es zu den Details, zu denen seit letztem Jahr Abbildungen gehören. Diese sind zwar wesentlich weniger als bei Artnet, und alte Kataloge werden erst nach und nach eingepflegt. Dafür sind jedoch die ganzen Katalogseiten eingescannt. Der Nutzer sieht also den Zusammenhang und den gesamten Katalogtext. Das kann sehr hilfreich sein. Mit den Bildrechten scheint Artprice jedoch größere Probleme zu haben als der Konkurrent. So erscheinen etwa bei Werken von Pablo Picasso nur schwarze Seiten. Um das Werk zu sehen, muss eine „Personal Research“ bestellt werden, die extra kostet. Ein großer Vorteil ist der Preis: Ein unbegrenzter Zugang ohne Abbildungen kostet im Jahr lediglich 49 Euro, mit Abbildungen 128 Euro. Mit Zusatzoptionen wie „Kommende Auktionen“, „Biografien“, „Signaturen“, „Indizes“ und 20 persönlichen Suchen ist man schnell bei 329 Euro pro Jahr.
www.artprice.de
Art Sales Index
Der Art Sales Index ist das Urgestein der Branche. Das musste auch Louise McBain feststellen, als sie 2005 die britische Datenbank erwarb, um daraus mit dem Online-Auftritt ihrer Zeitschrift Art+Auction ein Internet-Portal zu schmieden, das den Markt aufrollen sollte. Die Uralt-Software wollte sich nämlich offensichtlich nicht in ein zeitgenössisches Datenbankprojekt einpassen lassen. Daher war für das ursprünglich sehr kostspielige Abonnement erstmal Schluss. Seit letztem Jahr ist der Art Sales Index wieder online, und zwar kostenlos. Das soll sich in absehbarer Zeit auch nicht ändern, da man das komplette Portal über Werbung finanzieren will. Der neue Auftritt ist in stylischem Schwarz und auf Englisch gehalten, die Funktionalität ansonsten der von Artnet sehr ähnlich. Abbildungen der Kunstwerke sind allerdings erst für Verkäufe seit Ende 2003 verfügbar, und auch seitdem sind es weniger als bei Artnet, aber anscheinend mehr als bei Artprice. Der Aufbau der Seite ist recht langsam, und es werden lediglich zehn Datensätze pro Seite angezeigt.
www.artinfo.com/artsalesindex
Askart
Askart beschäftigte sich ursprünglich nur mit amerikanischer Kunst. Die Seite ist nicht nur eine Auktionspreisdatenbank, sondern auch eine Informations- und Verkaufsplattform. Neben Anzeigen wird zu jedem Künstler unter anderem die Biografie sowie ein Diskussionsforum angeboten, alles ausschließlich in englischer Sprache. Aufgrund der Informationsfülle ist die Startseite etwas unübersichtlich. Internationale Künstler werden erst seit 2007 erfasst, entsprechend dünn ist bisher die Datenbasis. In der Datenbank wird ebenfalls nach Künstlernamen gesucht. Auf der Ergebnisseite bestehen einige Sortier- und Filteroptionen, unter anderem können bis zu 150 Ergebnisse mit Bildern angezeigt werden. Diese erscheinen allerdings in einer langen Liste untereinander mit den unskalierten Abbildungen mittendrin, was der Übersichtlichkeit nicht förderlich ist. Zum Testen ist der Tageszugang für 13,50 Dollar zu empfehlen.
www.askart.com
WELTKUNST Heft 7 / 2008




