Kunstpreis, Jahrbuch, Auktionsergebnissse, 2009, Auktionen

ONLINE | Wege zur Kunst im Internet

Ein Ozean an Information...

Das Internet bietet auch für Kunstfreunde jede Menge Information – oft erstklassig und aus erster Hand, manchmal gratis und immer auf Knopfdruck verfügbar. WELTKUNST verrät Ihnen, wie‘s funktioniert.

Die gute Nachricht zuerst: Kunst ist beliebt im Internet, selbst wenn viele Lieferanten von kunstbezogener Information inzwischen die Segel gestrichen haben. Die schlechte: Kunsthandwerk ist auch in der virtuellen Welt eine Nische. Generell: Wer erste Schritte im Internet unternimmt, ist mit dem Online-Lexikon Wikipedia ganz gut beraten. Die deutschsprachige Seite des 2001 gegründeten Projekts hat mittlerweile 7000 ständige Autoren und umfasst über 700 000 Artikel aus allen Bereichen, die englische dreimal so viel. Neben der Suche über Stichworte gibt es auch ein Portal „Bildende Kunst“, eine Einstiegsseite mit Direktverbindung (engl. „links“) zu den wichtigsten Artikeln des Bereichs. Allerdings werden hier schnell die Grenzen des ehrenamtlichen Gemeinschaftsprojekts sichtbar. Es ist und bleibt eine Großbaustelle: der Querschnitt durch die Kunstgeschichte endet mit dem Barock. Den großen Überblick erhält man also nicht. Statt dessen gibt es eine Fülle von Spezialartikeln, die allerdings immer nur so gut sind wie ihr Autor – oft macht sich das Fehlen einer Redaktion schmerzlich bemerkbar. Während bei den Drucktechniken etwa der Kupferstich sehr informativ und ausführlich beschrieben wird, fehlt das Stichwort Offsetdruck ganz. Viele der Autoren verfolgen zudem mit ihren Beiträgen eigene Interessen. Sehr spärlich bestückt ist das Portal Kunsthandwerk. Wikipedia ist also eine gute Plattform, den Umgang mit dem Netz zu üben. Wer Glück hat, findet wertvolle Information, doch vor Gebrauch ist kritische Prüfung dringend zu empfehlen. Dafür sind alle Inhalte frei verfügbar:  Wer die Quelle nennt, darf alle Texte und die meisten Bilder im Internet und in gedruckten Publikationen kostenfrei verwenden.

Nicht nur für große Meister

An Fachwissen bieten dann aber spezialisierte Seiten mit urheberrechtlich geschützten Inhalten viel mehr. Das Standardwerk ist hier wie im Printbereich das Allgemeine Künstlerlexikon, das in der Datenbank Genios als „Internationale Künstler Datenbank“ firmiert. Der Abruf eines Eintrags kostet 82 Cent.

Ein freies Lexikon dagegen bietet Beyars. Dort gibt es die Online-Version von „Das große Kunstlexikon von P.  W. Hartmann“, das immerhin 10 000 Stichworte umfasst und eine fürsorgliche Bearbeitung durch eine Redaktion erfahren hat. Erklärung finden Objekte und Begriffe, die in Verbindung mit alten Kunstwerken und Schriften vorkommen. Wer hier allerdings nach Informationen über aktuelle Künstler sucht oder wissen will, was es mit der Neuen Leipziger Schule auf sich hat, ist an der falschen Adresse. Eine einmalige Quelle sind die ebenfalls hier verfügbaren Lexika zu Schmuck und Edelsteinen.

Askart ist ein amerikanisches Künstlerlexikon und ein Auktions- und Ausstellungsverzeichnis mit voller Nutzung ab 24,95 Dollar. Ansonsten gibt es auf der chaotischen Seite viel Werbung und Suchboxen, die zu kostenpflichtigen Diensten führen.

Frei ist die Nutzung des Künstlerlexikons aus dem Prestel-Verlag, das allerdings noch im Ausbau ist. Immerhin sind die Stichworte in den Artikeln mit „links“ untereinander verknüpft, und am Ende jedes Eintrags findet sich mindestens ein Literaturhinweis.

Was, wann, wo?

Über Ausstellungen informieren Kunsttermine und Artfacts (Galerien weltweit), ein Museumsverzeichnis bietet die Virtual Library Museen, die allerdings nicht sehr übersichtlich gestaltet ist und optisch ungefähr so ansprechend daherkommt wie ein Behördenwartesaal. Besser ist es da, die großen Institutionen direkt anzuwählen.

Viele bieten ausführliche Informationen im Internet – etwa die Staatlichen Museen zu Berlin. Sie sind auch Mitglied bei Euromuse, einem virtuellen Zusammenschluss großer europäischer Museen. Dort wurde offensichtlich vor kurzem viel EU-Geld investiert. Der Auftritt ist in englischer Sprache gehalten und schön bunt, aber leider etwas unübersichtlich. Manche Schaltflächen offenbaren ihren Sinn erst, wenn man sie angeklickt hat, und die vielen Auswahlfelder zum Herunterklappen nerven den Kenner und verwirren den Einsteiger. Wer sich aber an die Eigenheiten der Seiten gewöhnt hat, wird mit einem guten Führer zu den Ausstellungen großer europäischer Museen belohnt.

News aus dem Ausland

Mit redaktionellen Inhalten zum Thema Kunst und Kunsthandwerk ist das deutschsprachige Internet im internationalen Vergleich gut aufgestellt. Reine Online-Publikationen sind im Ausland selten. Am häufigsten sind elektronische Versionen von gedruckten Zeitungen und Zeitschriften, deren Nutzung kostenpflichtig ist.

So verhält es sich etwa mit dem monatlich erscheinenden renommierten Art Newspaper. Lediglich ein Teil der aktuellen Ausgabe ist frei am Bildschirm zu lesen, der Rest befindet sich im Archiv. Der Tageszugang kostet happige fünf britische Pfund. Die Antiques Trade Gazette gibt ihre gedruckten Inhalte nur häppchenweise preis, die kostenlose Registrierung hilft nicht viel weiter und verstopft den elektronischen Briefkasten mit Eigenwerbung.

Den ansprechendsten und informativsten Auftritt in englischer Sprache liefert Artinfo, das neben Artikeln der Fachblätter Art + Auction und Modern Painters einige exklusive Internet-Beiträge beinhaltet. Das Portal Artnet.com leistet sich bereits seit Jahren einen Magazinteil, der sich mit aktueller Kunst und dem Kunstmarkt beschäftigt, das alles im belustigt-ironischen Ton New Yorker Szene-Berichterstattung.

Zu den lesenswerten europäischen fremdsprachigen Online-Magazinen gehört Exibart, das hierzulande vor allem für polyglotte Urlauber interessant sein dürfte. Jede Region Italiens hat ihre eigene Redaktion, die zumeist von ehrenamtlichen Kunstbegeisterten geführt wird.

1 |  2 |  weiter > | 

WELTKUNST Heft 6 / 2008