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Im Dschungel der Preise

Kunst hat ihren Preis – aber welcher ist angemessen? Wer Kunstwerke kaufen oder verkaufen möchte, findet Antwort im Internet. Und während die Recherche nach Auktionsergebnissen und Markt-Trends früher ein teures Vergnügen war, gibt es heute maßgeschneiderte Angebote für jeden Bedarf, manche sind sogar kostenlos. In Teil zwei unserer Serie führten wir Sie ganz bequem durchs Gewirr der Online-Datenbanken

DATENBANKEN MIT GESCHÜTZTEN ZUGRIFFEN

Artnet


Die wohl bekannteste Kunstpreisdatenbank dürfte wohl Artnet sein. Sie war auch die erste, die die entsprechenden Abbildungen dazu lieferte. Für Profis führt im Bereich der bildenden Kunst praktisch kein Weg an dem deutsch-amerikanischen Unternehmen vorbei. Das gilt neuerdings auch für Design, allerdings nur für namentlich bekannte Künstler. Kunsthandwerk, Möbel und gar nicht zugeschriebene Gemälde sind nicht enthalten. Aus über 500 Auktionshäusern wurden teilweise seit 1985 bisher rund 3,6 Mio. Datensätze von 180 000 Künstlern eingesammelt. Die Bedienung der Datenbank ist einfach: Zunächst muss zwingend ein Künstlername eingegeben werden. Eine Volltextsuche ist nicht möglich. Danach sind vielfältige Möglichkeiten der Sortierung und Einschränkung der Suchergebnisse möglich, etwa nach Sparten oder Entstehungsjahren. Die Ausgabe von jeweils bis zu 100 Kunstwerken pro Seite verschafft sofort einen Überblick. Ärgerlich ist allerdings, dass die folgenden Seiten jeweils als eigene Suche berechnet werden. Da der Service ohnehin zu den teuersten zählt, geht das schnell ins Geld. Die erstklassige Leistung will eben auch erstklassig bezahlt werden. Seit einiger Zeit gibt es als eine Art Schnupperabo die Recherche ohne Abbildungen zum Kampfpreis von 99 Dollar pro Jahr. Ein Tageszugang mit Abbildungen und einer unbeschränkten Anzahl von Suchvorgängen ist für 14,95 Dollar zu haben. Zusätzliche Services wie Marktreports zu einzelnen Künstlern werden gesondert berechnet.

www.artnet.de/net/Services/PriceDatabase.aspx


Artprice

Der große Konkurrent von Artnet ist Artprice aus Frankreich. Die mehrsprachige Suchseite beginnt ebenfalls mit der Künstlersuche. Danach muss eine Technik ausgewählt werden, erst dann kann über einige Felder weiter eingeschränkt werden. Die Ergebnisse werden in einer Liste angezeigt, in der bereits Werktitel, Datierung und Maße der Kunstwerke aufgelistet werden. Erst in einem weiteren Schritt geht es zu den Details, zu denen seit letztem Jahr Abbildungen gehören. Diese sind zwar wesentlich weniger als bei Artnet, und alte Kataloge werden erst nach und nach eingepflegt. Dafür sind jedoch die ganzen Katalogseiten eingescannt. Der Nutzer sieht also den Zusammenhang und den gesamten Katalogtext. Das kann sehr hilfreich sein. Mit den Bildrechten scheint Artprice jedoch größere Probleme zu haben als der Konkurrent. So erscheinen etwa bei Werken von Pablo Picasso nur schwarze Seiten. Um das Werk zu sehen, muss eine „Personal Research“ bestellt werden, die extra kostet. Ein großer Vorteil ist der Preis: Ein unbegrenzter Zugang ohne Abbildungen kostet im Jahr lediglich 49 Euro, mit Abbildungen 128 Euro. Mit Zusatzoptionen wie „Kommende Auktionen“, „Biografien“, „Signaturen“, „Indizes“ und 20 persönlichen Suchen ist man schnell bei 329 Euro  pro Jahr.

www.artprice.de


Art Sales Index

Der Art Sales Index ist das Urgestein der Branche. Das musste auch Louise McBain feststellen, als sie 2005 die britische Datenbank erwarb, um daraus mit dem Online-Auftritt ihrer Zeitschrift Art+Auction ein Internet-Portal zu schmieden, das den Markt aufrollen sollte. Die Uralt-Software wollte sich nämlich offensichtlich nicht in ein zeitgenössisches Datenbankprojekt einpassen lassen. Daher war für das ursprünglich sehr kostspielige Abonnement erstmal Schluss. Seit letztem Jahr ist der Art Sales Index wieder online, und zwar kostenlos. Das soll sich in absehbarer Zeit auch nicht ändern, da man das komplette Portal über Werbung finanzieren will. Der neue Auftritt ist in stylischem Schwarz und auf Englisch gehalten, die Funktionalität ansonsten der von Artnet sehr ähnlich. Abbildungen der Kunstwerke sind allerdings erst für Verkäufe seit Ende 2003 verfügbar, und auch seitdem sind es weniger als bei Artnet, aber anscheinend mehr als bei Artprice. Der Aufbau der Seite ist recht langsam, und es werden lediglich zehn Datensätze pro Seite angezeigt.

www.artinfo.com/artsalesindex



Askart
Askart beschäftigte sich ursprünglich nur mit amerikanischer Kunst. Die Seite ist nicht nur eine Auktionspreisdatenbank, sondern auch eine Informations- und Verkaufsplattform. Neben Anzeigen wird zu jedem Künstler unter anderem die Biografie sowie ein Diskussionsforum angeboten, alles ausschließlich in englischer Sprache. Aufgrund der Informationsfülle ist die Startseite etwas unübersichtlich. Internationale Künstler werden erst seit 2007 erfasst, entsprechend dünn ist bisher die Datenbasis. In der Datenbank wird ebenfalls nach Künstlernamen gesucht. Auf der Ergebnisseite bestehen einige Sortier- und Filteroptionen, unter anderem können bis zu 150 Ergebnisse mit Bildern angezeigt werden. Diese erscheinen allerdings in einer langen Liste untereinander mit den unskalierten Abbildungen mittendrin, was der Übersichtlichkeit nicht förderlich ist. Zum Testen ist der  Tageszugang für 13,50 Dollar zu empfehlen.

www.askart.com

Artinfo
Artinfo, beheimatet auf der Isle of  Wight und in den USA, ist die einzige Preisdatenbank, die nahezu alles erfasst, inklusive Kunsthandwerk, Möbel und sogar Schmuck. Das Angebot besteht aus zwei unterschiedlichen Datenbanken: Die Künstlerdatenbank („Fine Art“) ist den anderen kommerziellen Angeboten vergleichbar, allerdings wird auf der ersten Ergebnisseite zunächst die Künstlerbiografie zusammen mit einigen anderen Informationen gezeigt. Danach werden jeweils 50 Lose ausgegeben. Filter nach Techniken, Entstehungsjahr oder Ähnliches existieren nicht. Bei Künstlern, deren Verwertunsgrechte noch nicht ausgelaufen sind, ist der Abbildungsbestand spärlich.
Eine Alleinstellung hat Artinfo hingegen bei der anderen Preisdatenbank „Past Auction Prices“, die anscheinend schlicht alles aus über 2000 Auktionshäusern enthält, bis zu 15 Jahre zurückreichend. Die Katalogdaten werden jeweils in der Ursprungssprache übernommen, so dass auch nach deutschen Begriffen gesucht werden kann. Gesucht wird in den gesamten Katalogtexten. Das ist ein Segen und ein Fluch zugleich, denn neben dem Gewünschten werden häufig Lose angezeigt, bei denen das Suchwort lediglich im Beschreibungstext auftaucht. Der kostenlose Probemonat bietet jedoch ausreichend Gelegenheit, sich mit dieser wahren Fundgrube vertraut zu machen.

http://www.artinfo.com/


Auktionspreise

Der Klassiker unter den Preisverzeichnissen hat jetzt den Sprung ins digitale Zeitalter gewagt. Alle Zuschläge der aktuellen Ausgabe, die sich den Auktionspreisen in 2007 widmet, sind jetzt auch online verfügbar. Auktionspreise informiert in mehr als 50 Kunstsparten mit über 14 000 Einträgen aus allen Sparten und Preiskategorien des Auktionsmarkts (98 Euro). Der Schwerpunkt liegt auf dem deutschsprachigen Markt. Dabei wird nicht nur bildende Kunst berücksichtigt, sondern auch Design, Kunsthandwerk und Asiatica. Der bis­herige Titel „Auktionspreise im Kunstpreis Jahrbuch“ wurde mit der aktu­ellen Ausgabe durch „Auktionspreise – Jahrbuch für Kunst, Kunsthandwerk und De­sign“ ersetzt und hat ein neues Logo erhalten. Die Auswahl der Lose treffen sechs Kunsthistoriker. In einem Re­gister sind alle bearbeiteten Auktionshäuser mit Adressdaten aufgelistet, gefolgt von einer Währungstabelle und den Zusatzkosten Zusatzkosten, die über die Zuschlagssumme hinaus zu entrichten sind (Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe).

www.kunstundauktionen.de/auktionspreise

Gordon‘s

Gordon‘s Print Price Annual und Photography Price Annual gehören wie der Art Sales Index zum Bain-Imperium und stammen wie dieser aus der Frühzeit der Kunstpreisdatenbanken. Das sieht man ihnen an. Die grafische Aufbereitung ist extrem spartanisch, Abbildungen gibt es keine, und die Bedienung ist hochkomplex. Der Umgang mit der englischen Benutzeroberfläche erfordert allerdings fortgeschrittene Computerkenntnisse. Denn wer weiß schon, was eine „Boo-lean Search“ist? Eine Suche, bei der bestimmte Begriffe ein- oder ausgeschlossen werden, indem Verknüpfungen, so genannte Operatoren wie „and“, „not“ oder „or“ eingesetzt werden. Für Grafiksammler unerlässlich sind die Werkverzeichnisnummern, die von den anderen Anbietern oft vernachlässigt werden. Wer sich mit der Benutzung vertraut machen will, findet im Store eine kostenlose Demo-Version mit den Daten von 1985 bis 1989.

www.gordonsart.com


Mageda
Mageda hat sich für einen Sonderweg entschieden. Die deutsche Datenbank erfasst, im Gegensatz zur Konkurrenz, nicht automatisiert Ergebnisse, sondern verfolgt die Biografien einzelner Kunstwerke. Sie ist mit knapp 190 000 erfassten Werken die kleinste Online-Datenbank und konzentriert sich auf 33 Auktionshäuser in Deutschland, Österreich und der Schweiz, erfasst deren Kataloge und bearbeitet die Ergebnisse für unikate Arbeiten auf Leinwand und Papier. Das bedeutet viel Handarbeit, ist entsprechend teuer und eigentlich nur für Sammler älterer Flachware aus dem mittleren Preisbereich interessant.

www.mageda.de

DIE DATENBANKEN DER AUKTIONSHÄUSER

Nagel

Das Stuttgarter Auktionshaus Nagel ist Deutschlands größter Allrounder. Unter
www.auction.de bietet das Haus mit dem Nagel Art Price Index (kurz NAX) die eigenen Versteigerungsergebnisse ohne Rückgänge als kostenlose Preisdatenbank an. Im Gesamtverzeichnis oder in den 27 Kategorien kann in den über 33 000 Ergebnissen jeweils nach Stichworten gesucht werden. Mit dem Anklicken einer bestimmten Kategorie erscheinen sämtliche verzeichneten Lose absteigend nach dem erzielten Preis. Bilder gibt es erst in der Detailansicht, das macht die Suche bisweilen etwas mühsam. Die meisten Kategorien sind zu spärlich bestückt, um aussagefähig zu sein. Besonders bei der Künstlersuche erweisen sich die Nachteile der spartanischen Ausstattung: Bildtitel erscheinen in der Ergebnisliste nicht. Jedes Los muss einzeln geöffnet werden. Mit rund 11 000 Ergebnissen bei den Asiatika ist der NAX allerdings eine Referenz. Offensichtlich wird er nicht weitergeführt. Die letzten Ergebnisse stammen aus dem Jahr 2005.

www.auction.de



Hampel

Bei den Münchener Kollegen von Hampel ist der Eindruck deutlich gediegener und die Bedienung wesentlich komfortabler. Hier werden alle Lose der eigenen Auktionen seit 2001 verarbeitet und gelistet, verkaufte wie unverkaufte. Einerseits stehen die einzelnen Ka­taloge zur Verfügung, es kann allerdings auch in einzelnen Sparten oder per Stichwortsuche im gesamten Archiv recherchiert werden. Die Ausgabe erfolgt auch hier vom teuersten Objekt abwärts, allerdings mit Abbildungen und Details. Die Schätzpreise werden bei verkauften Losen hingegen geflissentlich verschwiegen. Der Clou ist der über den jeweiligen Ergebnissen angebrachte Link sowohl zum jeweiligen Katalog im PDF-Format (Achtung: sehr große Dateien!) als auch zur Ergebnisliste. Damit können immerhin noch Abbildungen von Werken des 20. Jahr­hunderts angesehen werden, die in der Datenbank aus urheberrechtlichen Grün­den oft nicht mehr dargestellt werden.

www.hampel-auctions.com/de/archive.html



Im Kinsky
Nicht unerwähnt bleiben soll das österreichische Haus Im Kinsky. Entsprechend seinem Verkaufsvolumen hat es allerdings eine recht spärliche Datenbank. Es gibt einen Künstlerindex und eine Freitextsuche, die allerdings lediglich bei Personen einigermaßen zuverlässig funktioniert. Wer speziell nach österreichischen Objekten sucht, ist hier gut aufgehoben. Für Picasso hingegen werden gerade einmal neun Ergebnisse angezeigt, immerhin mit Bild.

www.imkinsky.com/de/kuenstlerindex



Van Ham

Den professionellsten Auftritt leistet sich Van Ham. Die Kölner bieten sowohl eine Volltextsuche als auch eine Recherche in 47 Kategorien, die mit einem Klick auf das „Kategorie“-Feld in der linken Spalte herunterklappen. Um alle Lose einer Sparte in einer Liste zu sehen, wird das Suchfeld freigelassen und auf „anfrage abschicken“ geklickt. Die Ergebnisse erscheinen dann absteigend nach Versteigerungsdatum sortiert. Die Übersichtsliste mit den Ergebnissen liefert Thumbnails der Lose, die ersten Zeilen des Katalogtextes sowie Schätzpreis und Zuschlag, nicht jedoch die Losnummer. Malerei und Grafik, Porzellan und Teppiche sind die stärksten Sparten. Als einziges der vier untersuchten Auktionshäuser haben sich die Rheinländer auch der Fotografie verschrieben und können mit knapp 2200 Objekten aufwarten. Allerdings werden auch hier viele Abbildungen kurz nach der Auktion gelöscht, bei der Fotografie sogar alle.

www.van-ham.info/datenbank/archiv.html


Christie‘s
Die größten Auktionshäuser sind am geizigsten mit Informationen. Von den drei international führenden stellt lediglich Christie‘s einen Teil seines Archivs zur Verfügung. Bei der Ergebnisanzeige einer Suche – und erst dann – erscheint eine Leiste mit Reitern, von denen einer „Past Lots“ heißt. Hier werden Auktionsergebnisse aus vergangenen Auktionen angezeigt. Die Zeitspanne ist abhängig vom Handelsvolumen. Bei seltener gehandelten Künstlern reicht sie zwei Jahre zurück, bei anderen nur eines.

www.artfacts.net